Es gibt Jugendliche, die trainieren für eine Blockade. Es gibt Jugendliche, die trainieren für etwas Besseres: Jugend trainiert für Olympia.

Moderator Hans-Joachim Rauschenbach in der ARD-Sportschau vom 2. Oktober 1983

Kurt Kusenberg

Er war skurril und liebenswürdig, seine abgründigen Kurzgeschichten balancierten auf dem Grat von Bosheit, schwarzem Humor und einer sehr leisen Zärtlichkeit, und die von ihm „erfundene“, seit 1959 herausgegebene Taschenbuchreihe „Rowohlt Monographien“ glich einem Riesen-Netz, in dem er schmunzelnd-pfiffig seine großen Kollegen der Weltliteratur einfing: Kurt Kusenberg, Essayist, Prosaist, Liebhaber der Kunst wie der kleinen Underberg-Fläschchen, starb in der Nacht zum Montag im Alter von 79 Jahren in Hamburg. Dort, nach Lehrjahren an der „Weltkunst“ und „Koralle“ in Berlin, hat er als einer der Mit-Lizenz-Träger des Nachkriegs-Rowohlt-Verlages mit so stiller wie listiger Zähigkeit seine Domäne, die Bildmonographien, verteidigt: Von keiner zahlensüchtigen Verkaufsabteilung ließ er sich das noble Konzept verwässern – und sogar Gottvater Ledig, auf weißem Knollsessel in geblümten Hosenträgern und orangenen Söckchen thronend, hörte auf zu telephonieren, wenn unangemeldet der kleine, aber gar nicht unscheinbare Poet sich in die Tür schlich, in der Hand immer, was sein Leben bestimmte: ein Manuskript.

Hamburg: Kultur konsequent

Die Opera Stabile, Experimentierbühne der Hamburgischen Staatsoper, wird in der nächsten Saison geschlossen. Nur so glaubt Staatsoperndirektor Rudolf Mares die von der Kultursenatorin Helga Schuchardt verordnete Reduzierung der staatlichen Zuschüsse (2,5 Millionen Mark weniger bei der Oper und 1,5 Millionen Mark weniger beim Ballett) auffangen zu können. Auch beim Thalia Theater fürchtet man, auf Grund von Etatkürzungen, die Studiobühne Tik schließen zu müssen. Den Museen wurden 9 Millionen Mark Investitionen und 30 Prozent der Ankaufsetats gestrichen. 12 Prozent mehr Geld hingegen erhielt die Stadtteilkultur, und für insgesamt 4 Millionen Mark soll ein Parkplatz an der „Fabrik“ gebaut werden. Daß Helga Schuchardt, vor gut einem halben Jahr von Bürgermeister von Dohnanyi in ein Amt katapultiert, für das sie als gelernte Flugzeug-Ingenieurin und Ex-Mitglied der FDP wenig prädestiniert und gar nicht präpariert war, mit diesen ihren Aktivitäten mehr Gesinnung demonstriert als Kompetenz, ist nicht erstaunlich. Aber schließlich war sie es auch nicht, die kürzlich nach der Gastspielreise der Hamburgischen Staatsoper zu den Edinburgher Festspielen in der Welt am Sonntag schrieb: „Hamburg hat sich in Edinburgh den Theaterfreunden der ganzen Welt als eine Stadt des modernen spielerischen Musiktheaters gezeigt... Für Hamburg waren die Edinburgher Erfolge der Staatsoper eine Ermutigung.“ Dies Bekenntnis stammt aus dem Munde ihres Bürgermeisters; nur: die so froh gelobte Staatsoper fühlt sich am Ort ihrer Arbeit sehr wenig ermutigt,

Rücktritt