Abgeordnet zum Arrest

In allen Rechnungen, die israelische Politiker aufmachen um auszurechnen, wer die für die Nachfolge Menachem Begins nötige Parlamentsmehrheit hinter sich scharen könnte, taucht der Name des früheren Religionsministers Aharon Abuchatzira auf – und verschwindet oft gleich wieder: Der Chef der dreiköpfigen Tami-Fraktion, die das Zünglein an der Waage zwischen rechts und links in Jerusalem darstellen will, muß drei Monate Haft absitzen, zwar nur im erleichterten Polizeigewahrsam, aber wahrscheinlich ohne die Möglichkeit, im Parlament mitzustimmen. Der Politiker war verurteilt worden, weil er als Bürgermeister der Stadt Ramleh Gelder unterschlagen hatte; weil seine alte Partei ihn nicht gegen seine Ankläger schützte, gründete er vor Jahren die Tami, eine Protestbewegung nordafrikanischer Einwanderer. Das Martyrium ihres Chefs war das große Wahlkampfthema der Partei, und seine Hart soll ihr jetzt weitere Sympathien bringen.

Prominente protestieren

Mit einem Staat, auf dessen langer Zensurliste auch der Name von Bertolt Brecht zu finden ist und der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begeht, wie dies bei dem südafrikanischen Apartheid-Regime der Fall sei, dürfe man kein Kulturabkommen aufrechterhalten. Das „Komitee für die Kündigung des Kulturabkommens Bundesrepublik DeutschlandSüdafrika“ meint dies, und ihm verdankt Außenminister Genscher das Wissen, daß die Bundesrepublik Deutschland der einzige Staat sei, der mit Südafrika solche Beziehungen unterhielte. In einem offenen Brief drängen zahlreiche Prominente, die sich diesem Komitee angeschlossen haben, den liberalen Außenminister zur Kündigung des Abkommens. Es drängen der Schriftsteller Heinrich Böll, der Professor Helmut Gollwitzer, der Fußballer Ewald Lienen, der Rockstar Udo Lindenberg, die Regisseurin Margarete von Trotta und viele andere mit Rang und Titel und Namen. Und ein namenloser Ministerialbeamter heftet ab.

Waldsterben in Afrika

Wo in früheren Jahren Eichen, Mahagonibäume und andere edle Baumarten die Böden Afrikas gegen Erosion und das Wachsen der Wüste schützten, werden heute schnellwachsende Nadelhölzer kultiviert, die in kurzer Zeit industriell verwertbares Schlagholz liefern. Da überdies viele Menschen keine andere Energiequelle als Brennholz haben, findet die Abholzung viel schneller als die Rekultivierung statt. Das Ergebnis: Jährlich verschwinden in Afrika hunderttausend Quadratkilometer Waldlandschaft und damit der Lebensraum zahlreicher Pflanzen- und Tierarten. Experten propagieren jetzt eine Notlösung: den Anbau der bislang in Westafrika nicht heimischen Babassa-Palme, deren Blattwerk Dachstroh abgibt und deren Früchte zu Speiseöl verarbeitet werden können, während das harte Fruchtgehäuse vorzügliches Brennmaterial abgibt.

Eigenlob

Die „Armenische Bewaffnete Bewegung“ verbreitet den Ruhm der eigenen Gruppe. In einem knapp gehaltenen Brief an Zeitungsredaktionen berichten die Armenier aus dem Untergrund erst einmal – in englischer Sprache – von den Greueltaten der Türken gegen ihr Volk zwischen 1892 und 1923 und dem Schweigen der Welt, „bis 1975 die jüngere Generation der Armenier die Verpflichtung fühlte, die Waffen zu ergreifen, um den Feind zu treffen und den Rest der Welt über die armenischen Forderungen nach Rückgabe des usurpierten Landes und Entschädigung nachdenken zu lassen“. Das tabellarisch aufgeführte Ergebnis: 13 „revolutionäre Exekutionen“ türkischer Repräsentanten im Ausland, darunter drei Botschafter, durchgeführt von „Justizkommandos des armenischen Völkermords“.