Von Erika Martens und Peter Christ

ZEIT: Herr Steinkühler, Sie gelten als das enfant terrible der IG Metall. Jetzt sind Sie als stellvertretender Vorsitzender in das zweithöchste Amt der Gewerkschaft aufgerückt. Müssen Sie in der Frankfurter Zentrale die Vorreiterrolle, die Sie in Baden-Württemberg oft gespielt haben, aufgeben?

Steinkühler: Welche Vorreiterrolle?

ZEIT: ... in der Tarifpolitik, in der Kampfbereitschaft, in der Gesellschaftspolitik. Müssen Sie jetzt die lauten Töne meiden und sich staatsmännisch gebärden?

Steinkühler: Ich hoffe, daß ich mich nicht ändern werde. Wie in Stuttgart werde ich mich auch in Frankfurt für die Interessen der Arbeitnehmer einsetzen.

ZEIT: Noch einmal zum Stichwort Mäßigung. Können Sie sich vorstellen, daß Sie auch künftig noch Sätze sagen wie: „Auf unseren Rücken bauten die Unternehmer sich ein Wirtschaftsimperium auf, welches Kapital in den Händen weniger konzentriert, wie es nicht einmal unter dem Hitler-Faschismus denkbar gewesen wäre.“

Steinkühler: Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Aber ich habe nicht die Absicht, mich gegenüber dem ökonomischen oder politischen Gegner zu mäßigen. In einer Zeit, in der der Sozialstaat mit aller Macht umgekrempelt wird, ist nicht Mäßigung angebracht, sondern konsequente Interessenvertretung.