„Die Stille um Christine M.“ von Marleen Gorris. Der Besitzer einer modisch-chromglänzenden Boutique als Exponent der ausbeutenden Klasse „Mann“? Die Ehe als Unterdrückungsverhältnis, das Mordlust schürt? Die arbeitende Frau als wohlfeiles Mädchen für alles, gelobt, doch nicht anerkannt? Drei Frauen, die einander nie zuvor gesehen haben, töten einen Mann, den sie nicht kannten. Vier andere Frauen schauen dabei zu. Frauen schlagen zurück, der Krieg ist erklärt. Der erste Film der holländischen Regisseurin, die auch das Drehbuch schrieb, ist ein parteiischer Kriegsbericht vom Kampf der Geschlechter. Szenen aus dem häuslichen und beruflichen Einerlei, Gespräche mit einer vom Gericht bestellten Psychologin und die, natürlich von Männern geleitete, Gerichtsverhandlung beweisen, daß der Mord die quasi notwendige (feministische) Konsequenz der seelischen Deformation aus der alltäglichen Schlacht zwischen Mann und Frau ist. Eine Frau wie Christine M., eine der unauffälligen Mörderinnen, hat längst das Reden aufgegeben, weil ihr niemand zuhört. Von ihrem Mann wegen ihres stillen Wesens geschätzt, kann sie sich schließlich nur noch mit Gewalt „äußern“. Trotzdem sollte kein verängstigter Mann den Frauenfilm als Aufforderung zu Mannerhatz und Mord und Totschlag fürchten. Der Männermord als Allheilmittel gegen Frauenleiden wird nicht ernsthaft empfohlen. Das große, unmäßige Gelächter am Ende löst zwar keine Probleme, aber es befreit die Seele. Wer über den Feind „Mann“ lachen kann, der braucht ihn nicht zu morden. Lina Schneider

Harmlos

„Die Spider Murphy Gang“ von Georg Kostya ist ein harmloser, aber völlig überdehnter Werbespot für die gleichnamige Rock ’n’ Roll-Band und ihre Hits wie „Mir san a bayrische Band“. Regisseur Michael Verhoeven, der seinem Freund Kostya hier den ersten Spielfilm produzierte, lernte den Bayern-Rock der „Spiders“ durch seinen zehnjährigen Sohn kennen. Dessen Alterskollegen und andere Fans werden ihre Gaudi daran haben, wie das Quartett Günther Sigl (Gesang, Baß), Michael Busse (Piano), Franz Trojan (Schlagzeug) und Barny Murphy (Gitarre) vergebens durch Münchner Kneipen hetzt, immer auf der Jagd nach Jobs und Mädchen. Die autobiographisch angehauchte schlichte Story läßt viel Raum für gruselig platte Gags, bis der Manager der Band, Joschko (Hans Brenner), eine viel zu große Halle für die vier mietet und sich wie selbstverständlich der Konzert-Erfolg einstellt. Das allerdings können nur gläubige Fans nachvollziehen, denn der große Schlußauftritt ist wie der ganze Film, von einer wahllosen Hektik der Bilder bestimmt, die nie eine Atmosphäre entstehen lassen, die auch ein Publikum jenseits „Spider“-begeisterter Minderjähriger interessieren könnte. Aber das hatte offensichtlich auch niemand im Sinn. Bodo Fründt

Empfehlenswerte Filme

„Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch. „Die flambierte Frau“ von Robert Van Ackeren, „Zetig“ von Woody Allen. „In Sachen King of Prussia“ von Emile de Antonio. „Der Bienenkorb“ von Mario Camus. „Angel, der Rächer“ von Neil Gordan. „Der Tod des Mario Ricci“ von Claude Goretta. „Monty Python’s Der Sinn des Lebens“ von Terry Jones. „Die Macht der Gefühle“ von Alexander Kluge. „Der Android“ von Aaron Lippstadt. „Sans Soleil“ von Chris Marker. „Pauline am Strand“ von Eric Rohmer. „Carmen“ und „Zärtliche Stunden“ von Carlos Saura „New York City Girl“ von Susan Seidelman.