Das Ende hat seinen Preis“ – so nennt Elsa Triolet ihre „Erzählungen aus der Resistance“. 1970 ist Elsa Triolet im Alter von dreiundsiebzig Jahren gestorben. Mit Louis Aragon hatte sie, die gebürtige Russin, vier Jahrzehnte lang zusammengelebt. Davon waren die Kriegsjahre unter deutscher Besatzung (1940-1944) besonders ereignis- und folgenreich. Als Mitglieder der verbotenen KPF mußten sie untertauchen. Sie gingen in die südliche, bis November 1942 nicht besetzte Zone Frankreichs (wo Marschall Pétain seinen Etat français etablieren durfte), lebten in Nizza, später im Departement Drôme und in Lyon, das damals ein Zentrum des intellektuellen und literarischen Widerstands war. Beide gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Comité National des Ecrivains der Südzone sowie zu den Mitarbeitern der 1942 gegründeten illegalen Zeitschrift Les Lettres françaises (deren Herausgeber 1953 Louis Aragon werden sollte). Dennoch konnten von Elsa Triolet im besetzten Paris zwei Romane erscheinen, obendrein bei Robert Denoël, dem Verleger der Antisemiten und Kollaborateure Louis-Ferdinand Céline und Lucien Rebatet. Schon in ihrem Buch „Die Liebenden von Avignon“ (1943; 1950 auf deutsch erschienen) hat Elsa Triolet Untergrund und Résistance als zeitgeschichtlichen Hintergrund benutzt. Drei weitere Erzählungen aus derselben Zeit veröffentlichte sie damit zusammen 1944 unter dem Titel Le Premier accroc coûte deux cents francs und erhielt dafür 1945 den „Prix Goncourt“ des Jahres 1944. Zwei davon hat der Schwiftinger Galerie-Verlag in deutscher Übersetzung herausgebracht: die Titelerzählung („Das Ende hat seinen Preis“) und „Das private Leben im Krieg oder Alexis Slavsky, Kunstmaler“.

Nahezu unverschlüsselt schildert Elsa Triolet darin das schwierige Leben des Paares während der années noires, der „finsteren Jahre“. „Das Ende hat seinen Preis“ sei „beinahe eine Reportage“, schreibt sie in ihrem 1964 nachgetragenen Vorwort; „keineswegs .erfunden’, kaum verkleidet“. Ihr detailfreudiger Realismus erfaßt die entbehrungsreiche und grausame Wirklichkeit der Kriegsjahre mit größter Genauigkeit, ohne Nachteil für die Geschlossenheit der novellistischen Konzeption. Man liest deshalb voll Anteilnahme und Spannung diese Proben französischer Widerstandsliteratur, von der wir wenig kennen; sie war, so Elsa Triolet, „der freie und mühevolle Ausdruck einer einzigen und einzigartigen Bemühung: sich von einem unerträglichen Zustand zu befreien“. (Mit Illustration von Ingeborg Weigand, aus dem Französischen von Else und Hans Bestian; Schwiftinger Galerie-Verlag, 8911 Schwifting, 1983; 151 S., 15,– DM.)

Hanns Grössel