Von Viola Roggenkamp

Pünktlich wie jeden Morgen fährt zwei Minuten vor Dienstbeginn ein blauer Opel auf den Parkplatz für Verwaltungsangehörige einer schleswig-holsteinischen Kreisstadt. Der Fahrer steuert zielstrebig seine Parklücke an, die sich bei näherer Betrachtung an diesem Morgen als etwas kompliziertes Einschlupfloch erweist. Der eine Wagen links hat sich nicht akkurat eingeparkt, hat mit seinem Hinterrad den weißen Begrenzungsstreifen einfach überfahren. Das Rangiermanöver, zunächst schwierig und anstrengend, ist am Ende aber doch erfolgreich. Trotzdem – zwei Minuten nach acht nun. Unerhört. Der Herr ist innerlich auf der Palme.

Verärgert und ein wenig in Hitze geraten, eilt er mit brauner Aktentasche seiner Amtsstube zu, läßt sich auf den Stuhl hinter seinem Schreibtisch fallen und greift, zum Telephonhörer. Auf dem kleinen Dienstweg erkundigt er sich beim Kollegen von der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle anhand der Autonummer nach dem Namen und der Anschrift des Rindviehs. Der Kollege gibt hilfsbereit Auskunft. Und am anderen Morgen wird der Sünder von gestern, gleichfalls ein Beamter, vor versammelter Mannschaft zusammengestaucht.

So geht es nicht. Aber so geht es oft. Die kleinen Verstöße gegen den Datenschutz kennzeichnen am besten, wie wenig diejenigen, die von Berufs wegen mit Daten anderer Menschen umgehen und zum Datenschutz darum verpflichtet sind, den Schutz fremder Daten berücksichtigen. Oftmals ist es Nachlässigkeit, Unkorrektheit oder gar Gleichgültigkeit! Angesichts der Perfektionierung von Datenspeicherung, angesichts der hier und da und dort entstehenden Dateien in Schulen, in Kaufhäusern, Betrieben, Geldinstituten, Behörden ein wenig erfreuliches, wenn nicht gar beunruhigendes Ergebnis der jährlich veröffentlichten Datenschutzberichte in den Bundesländern.

Die Mietpreisstellen der Berliner Bezirksämter hatten anläßlich von Mieterhöhungen den vollständigen Abdruck aller Mieterdaten versandt und dabei in mehreren Fällen bis zu 300 personenbezogene Datensätze über Mieter und deren Angehörige an jeden einzelnen Mieter geschickt.

Der Dozent einer Fachhochschule in Nordrhein-Westfalen hatte für Lehrzwecke bei einem Sozialamt Sozialhilfeakten photokopiert. Den Studenten lagen die Kopien vollständig vor. Kein Name, keine Anschrift war abgedeckt oder unleserlich gemacht worden. Das Sozialamt hatte es nicht verhindert.

Manchmal ein Eigentor