Von Thomas v. Randow

Seitdem ich Egon kenne, sieht für mich die Zukunft wieder lebenswert aus. Ich weiß nicht, ob Egon wirklich Egon heißt, ja, ich muß dies für äußerst unwahrscheinlich halten. Denn der kleine Endvierziger mit dem Kugelkopf, der während des schönen Sommers die Strandburg gleich neben der meinen bewohnte, hat sich mir nicht vorgestellt. Dazu bestand auch keinerlei Veranlassung. Wir haben nie ein Wort miteinander gewechselt.

Desto aufmerksamer hatte ich ihn beobachtet. Zunächst war mir Egon wegen seiner Rücksichtnahme aufgefallen. Zwar kam er wie all die anderen um mich herum mit einem Transistorradio an den Strand, doch ließ er es nicht wie diese in voller Lautstärke plärren. Egon stöpselte einen Kopfhörer in den Apparat.

Seitdem die Walkmänner unter uns sind, wissen wir, daß Kopfhörer für die Umgebungkeineswegs stumm sind, sondern entnervend rhythmisch zischen können. Nicht so bei Egon. Sein Hörer ließ keinen Laut in die Außenwelt entweichen.

Indessen vollzog sich Wunderbares. Während Egon mit großer Konzentration eine Rundfunkstation einstellte, wurde plötzlich eines der unzähligen Rumtatas aus den umliegenden Empfängern von einem so garstigen Geräusch überdeckt, daß der Betroffene entsetzt sein Gerät abstellte.

Egon drehte weiter an seinem Apparat, und das zweite Rumtata wurde zum Schweigen gezwungen. Bald dröhnte kein Radio mehr an unserem Strand. Egon stellte jetzt auch seinen Kasten ab, nahm die Hörer von den Ohren und legte sich räkelnd auf seinen geblümten Bademantel in die Sonne.

Jeden Tag wiederholte sich das Wunder, und ich begann, über Egons merkwürdigen Apparat nachzusinnen. Ein Radio war er bestimmt nicht, eher das Gegenteil, ein als harmloses Transistorgerät getarnter Sender. Diesen stimmte Egon nacheinander auf die Frequenzen der verschiedenen Rundfunkstationen ab und ließ ihn dann das scheußlichste Gemisch aus Knarren, Rattern, Fauchen und Quietschen senden, das je vernommen wurde.