Wenn Deine Seele krank ist, dann verbirg Dich wie ein verwundetes Tier in den Wäldern: Sie werden Dich heilen“, schrieb der baltische Bayer Siegfried von Vegesack.

Oh, arme deutsche Seele, deinem Tröster Wald wird der moderne Zivilisationsrausch bald restlos den Garaus gemacht haben. Die deutschen Forste sterben nicht nur an vergifteter Luft. Ihre durch Rodung aufgerissenen Waldränder verbrennen nicht nur in der Sonne und zerbrechen unter der Last von Schnee und Sturm. Zu alledem, so scheint es, zerstört die Bulldozer-Mentalität der modernen Forstwirtschaft unaufhaltsam und unwiederbringlich den Restbestand unserer Mischwälder. Die Staatswälder in der Bundesrepublik werden nicht mehr vorbildlich bewirtschaftet, wie es die Forstgesetze vorschreiben.

„Was ist aus den herrlichen Buchenbeständen geworden, an die sich die Älteren unter Euch noch erinnern? Die Ihr Zeugen wart der vielen im Laufe der Jahre vom Sturm geworfenen und vom Schnee zusammengedrückten Nadelholzbestände, macht Euch klar, daß durch immer mehr Fichte immer schlimmere Katastrophen programmiert werden ... Seht Euch an, wie das, was die Förster Unkraut nennen, auf großen Flächen mit Gift beseitigt wird, und überlegt Euch einmal die Folgen für alles Getier, das darin und davon lebt.“ So mahnt

Dietrich Mülder: „Helft unsere Buchenwälder retten!“ DRW-Verlag, Stuttgart, 1982; 148 Seiten, 19,50 DM (nur direkt beim Verlag erhältlich).

Mülder war 50 Jahre seines Lebens neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit stets als Forstmann praktisch im Wald tätig. Der emeritierte Professor der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen weist auf Fehler und Schäden im Forst hin, die Laien ohne Fingerzeig nicht erkennen würden, denn sie werden vielerorts durch forstliche Lehrpfade und Grillplätze „von all dem Schrecklichen abgelenkt, was im Wald geschieht“.

Die natürlich anmutenden Wälder, in denen dunkles Fichtengrün mit dem Gold der Buche wechselt und junge mit alten Bäumen vereint stehen, sind keine Urwälder. Vielmehr entstanden diese gemeinhin als schön empfundene Altersklassenwälder unter forstlicher Aufsicht. Deutsche Förster bewirtschaften den Wald nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit: Er muß so behandelt werden, daß er zu jeder Zeit voll leistungsfähig bleibt.

Entgegen diesem Prinzip der Nachhaltigkeit, das gleichsam der hippokratische Eid des Försters ist, werden heute unsere Staatswälder wie Mais- und Rübenfelder bestellt, wie Müller klagt Er sieht den Grund dafür in der Politik. Seit Bestehen der Bundesrepublik ist die Forstwirtschaft der Landwirtschaft unterstellt. Landwirtschaftlich wirtschaften aber heißt, Erträge in Jahresfrist kalkulieren, heißt rationell und personaleinsparend arbeiten. Der biologisch stabile, ohne chemische Hilfen wachsende Mischwald verlangt jedoch Pflege und ein Planen in großen Zeitabschnitten, über die eigene Generation hinaus.