Die Faszination des dreidimensionalen Raumes, der Plastik für Maler ist keine Neuigkeit unseres Jahrhunderts, wem auch in ihm sich besonders viele Maler zur Bildhauerei hingezogen gefühlt haben. Die Berliner PicassoAusstellung ist dafür nur ein Beleg, die bildhauerischen Versifcle H8r- Expressionisten, vor allem Kirchners, ist ein anderer, die Liste könnte verlängert werden. Dabei ist zu unterscheiden zwischen solchen Arbeiten, die allein für die innere Entwicklung der Malerei eines Künstlers Bedeutung habei, und solchen, die als eigenständige Gattung bestehen können oder sogar die Entwicklung der Bildhauerei beeinflußt haben. Siebenundzwanzig plastische Arbeiten hat einer der Hauptvertreter des amerikanischen abstrakten Expressionismus, der aus Holland stammende Willem de Kooning, geschaffen, und erst ihre vollständige Präsentation läßt keinen Zweifel mehr daran, daß diese Skulpturen in erster Linie eine Funktion innerhalb des malerischen Gesamtwerkes haben. Wie in seinen Bildern geht es de Kooning auch bei den Plastiken um den direkten Zugriff des Künstlers auf das Material. Der die Materialität der Farbe unterstreichende Pinselstrich, der zum expressiven Strukturmerkmal des Bildes wird wiederholt sich in der Oberflächenstruktur der Skulpturen. De Kooning greift in das Material ein, läßt die Spuren seiner Handarbeit ungeglättet, unbearbeitet stehen und schafft so eine zerklüftete, sich vielfach ausbuchtende und tiefe Schlünde zeigende Oberfläche. Diese Oberfläche aber ist keine für sich stehende, abstrakte Struktur, sondern sie erscheint im funktionalen Zusammenhang mit der menschlichen Figur, die allen Plastiken zugrunde liegt. Die Arbeitsweise beschreibt Siegfried Gohr, der Veranstalter dieser Ausstellung, zu Rech als "additiv", de Kooning häuft Material auf, läßt es in den Raum wachsen. Leider steht der Reiz der Oberfläche in keinem organischen Verhältnis zur figurativen Grundkonzeption der Skulpturen. Dies offenbart sich vor allem in den Großplastiken, in denen die Eigenständigkeit der Oberflächenstruktur verlorengeht, sich verselbständigt und so beliebig wird. Vergleicht man die Skulpturen mit den wenigen in Köln gezeigten Bildern, so kann man kaum umhin, diese bildhauerischen Versuche als Mißverständnis zu werten. De Koonings Talent entfaltet sich eben doch am überzeugendsten auf der zweidimensionalen Fläche (JosefHaubrich Kunsthalle bis 30. 10, Katalog 15 Mark ) Hans Peter Riese Wichtige Ausstellungen Berlin: "Julio Gonzalez" (Akademie der Künste bis 23. 10, Katalog 24 Mark) Berlin: "Bilder vom irdischen Glück"

(Schloß Charlottenburg bis 13. 11, Katalog 20 Mark) Berlin: "Picasso - Plastiken" (Nationalgalerie bis 27. 11, Katalog 40 Mark) Hannover: "Stephan von Huene - Klangskulpturen" (Kestner Gesellschaft bis 20. 11 , Katalog 22 Mark) Marbach am Neckar: "Klassiker in finsteren Zeiten 1933 1945" (Schiller Nationalmuseum bis 31. 10, Katalog: 2 Bände 30 Mark) München: "Das Kruzifix von Cimabue" (Alte Pinakothek bis 30. 10, Katalog 25 Mark) München: "aktuell 83" (Stadt. Galerie im Lenbachhaus bis 21. 11, Katalog 24 Mark) Nürnberg: "Veit Stoß in Nürnberg" (Germanisches Nationalmuseum bis 13. 11, Katalog 25 Mark) und nebenan Antwerpen: "James Ensor" (Koninklijk Museum voor Schone Künsten bis 31. 10 ) Lngano Castagnola: "Meisterwerke aus russischen Museen" (Villa Favorita bis 15. 11 )