Die Krise der deutschen Heilbäder und Kurorte hält an. Auf dem 79. Deutschen Bädertag suchten Politiker, Kurdirektoren und Mediziner nach Wegen aus dem Tief.

Marktforschung, Image-Kampagnen und Interventionen bei Politikern haben den Heilbädern und Kurorten wenig geholfen. Seit es das Kostendämpfungs-Ergänzungsgesetz gibt, seit 1981, sinkt die Nachfrage nach Kuren stetig.

Nach der Statistik des Deutschen Bäderverbandes ging die Zahl der Kur-Anträge im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent zurück. Die Ergebnisse des ersten Halbjahres 1983 sind nicht besser: Die Rentenversicherungen registrierten 17,4 Prozent, die Krankenkassen gar 50 Prozent weniger Anträge.

Kein Wunder also, daß auf dem 79. Bädertag in Cuxhaven viele Klagelieder zu hören waren. Die Funktionäre des Deutschen Bäderverbandes halten unerschütterlich an der Auffassung fest, daß die Spargesetze die Hauptschuld an der Misere tragen. Der Vizepräsident des Verbandes, Heinz Wadepuhl, vertrat die Ansicht, die fiskalischen Eingriffe hätten „bereits irreparable Schäden“ angerichtet.

Von der Regierung erwartet der Bäderverband daher eine Reihe von Erleichterungen: Die freien Badekuren sollen begünstigt, die seit 1981 eingefrorenen Kurmittelpreise wieder freigegeben werden. Auch die erst 1983 eingeführte Selbstbeteiligung von 10 Mark pro Tag ist den Bädern ein Dorn im Auge.

Die Sparmaßnahmen haben ihren Zweck – eine Verminderung der Kuren um 13 Prozent – in der Tat längst erfüllt. Die Politiker indes denken nicht daran, die Kostendämpfungs-Gesetze aufzuheben. Staatssekretär Heinrich Franke vom Bundesministerium für Arbeit erklärte auf dem Bädertag alle Hoffnungen darauf für illusorisch. Korrekturen dagegen seien durchaus nötig, meinte der Staatssekretär. So will das Arbeitsministerium beispielsweise die Bestimmungen über die Zuzahlung bei Kuren überprüfen und Erleichterungen für Patienten schaffen, die schon einmal selbst eine Kur bezahlt haben, aber einer weiteren bedürfen.

Von Gesetzesänderungen allein, so der Staatssekretär, dürften sich die Kurorte einen Aufschwung nicht erhoffen. Angesichts der anhaltenden Rezession und der wachsenden Arbeitsplatz-Ängste müßten die Bäder selbst neue Zielgruppen ansprechen, ihre Angebote den veränderten Bedingungen anpassen. Damit aber scheinen die meisten Kurorte noch Probleme zu haben, obwohl ihnen eine Untersuchung des Studienkreises für Tourismus über „Gäste im Kurort“ DIE ZEIT berichtete darüber in ihrer Ausgabe vom 25. März 1983) bereits zu Beginn dieses Jahres mehrere Ansatzpunkte lieferte. Danach müßten die Kurorte beispielsweise ihre bisherige Strategie aufgeben, die Bevölkerung zum freiwilligen Verzicht auf Urlaubstage zugunsten der Kur zu animieren: Nur 21 Prozent der Befragten würden Ferientage opfern. Der Bäderverband indes hat auf diesen Vorschlag noch nicht reagiert, genausowenig wie auf die Anregung, gezielte Informations-Kampagnen durchzuführen und Marketingkonzepte zu entwickeln.

Statt dessen wurden beim Bädertag weltfremde Forderungen nach interdisziplinären Forschungsinstituten aufgestellt und weitschweifige Kur- und Gesundheitsphilosophien entworfen. Mit solchen Kuren aber ist der Kur gewiß nicht auf die Beine zu helfen. Es braucht schon handfestere Ideen, um jene 54 Prozent der Bevölkerung zum Gesundheits-Urlaub zu animieren, die bisher hartnäckig nichts davon wissen wollen. Isolde von Mersi