Textilarbeiter übernehmen ihre Fabrik

Von Hans Otto Eglau

Mehr als sieben Jahre lang fahndete der Bremer Konkursverwalter Wolfgang Brähmer nach einem Kaufinteressenten für die pleite gegangene Textilfirma Mech. Baumwoll-Spinnerei und Weberei (SWA) Augsburg. Jetzt hat er deren gleich 620: Die Beschäftigten des 146 Jahre alten Traditionsunternehmens wollen ihren Betrieb in eigener Regie weiterführen.

In einer Betriebsversammlung unterrichtete Interims-Verwalter Brähmer die Augsburger Textilwerker letzte Woche, daß ihrem Wechsel vom Arbeitnehmer zum Eigentümer nichts mehr im Wege stehe. „Die müssen sich jetzt“, so der geduldige Überlebenshelfer, „wie bei Münchhausen selber aus dem Sumpf herausziehen.“

In die mißliche Lage, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen, waren die SWA-Mitarbeiter durch ein katastrophales Mismanagement und eine ruinöse Ausplünderung des Unternehmens durch ihren früheren Eigentümer geraten. Vom Erfolgspfad war das Unternehmen, das in seiner Blütezeit einmal 5000 Leute beschäftigte, bereits Anfang der sechziger Jahre abgekommen. Nach ständig neuen Verlusten, zermürbenden Vorstandsquerelen und mehreren fehlgeschlagenen Sanierungsversuchen stieß die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank die ihr zur Last gewordene 92-Prozent-Beteiligung 1972 an den einstigen Baustoffhändler Hans Glöggler ab, der sich – überwiegend mit gepumptem Geld – gerade ein milliardenschweres Textilimperium zusammenkaufte. Zur Finanzierung gigantischer Börsenmanöver, bei denen er sogar Deutschlands führenden Baukonzern, die Philipp Holzmann AG in Frankfurt, unter seine Gewalt zu bringen suchte, entzog er seinen Textilunternehmen dringend benötigte Mittel, der SWA allein zwischen dreißig und vierzig Millionen Mark. Als die Glöggler-Gruppe unter dem Druck steigender Zinsen 1976 zusammenbrach, geriet auch die mit hohen Kreditsicherheiten belastete SWA mit in den Pleitestrudel.

Geschäft mit Schulden

Davon überzeugt, daß die Firma – auf sich allein gestellt – wieder fit zu machen sei, betätigte sich Konkursverwalter Brähmer als Sanierer. Mit einem auf fast allen Positionen neu besetzten Vorstand ging er daran, die Firma wieder auf Gewinnkurs zurückzufahren und so als attraktives Verkaufsobjekt herauszuputzen. Doch inmitten der anhaltenden Strukturkrise in der Textilindustrie fand sich niemand, der Lust und auch noch das nötige Geld hatte, sich mit zusätzlichen Kapazitäten zu belasten.