Natürlich ist das nicht irgendeine Kolumne, nicht einfach meine fünfte, dies ist: die Taschenbuchkolumne zur Buchmesse. Wenn ich schon nicht hinfahre (auch denen zuliebe, die immer da sind, damit nachher keiner sagen kann, dort sei schließlich jeder), im Text muß sie vorkommen, wenigstens im ersten Absatz.

Oder im zweiten. Der erste Satz über sie sollte möglichst so formuliert sein, daß Spannung aufkommt, also noch keiner weiß, daß es um die Buchmesse geht. Erster Satz: Danach wird es wieder wie Weinnachten gewesen sein.

Der Baum, schon sauer, war wieder reich geschmückt, und alle haben sechs Tage lang von Büchern geredet und nur am Rande von den neuen Medien, von denen man danach wieder fast ausschließlich sprechen wird, weil so viele fürchten, daß sie die Köpfe verkabeln. Der dritte Absatz muß mit der überraschten Frage enden: welche Köpfe?

Auch im neuen „Kursbuch“ („Konservativismus im Angebot“) liest man, daß wir schon lange nicht mehr in einer Zeit der Köpfe leben, sondern (gerade weil so viele Unternehmungen in die Krise kommen) in einer Zeit der Handlungsreisenden, der Vertreter: „... die Mehrzahl der Politiker, die durch ihre Unverfrorenheit... in der mausgrauen Masse auszumachen sind, erinnern nicht nur an aggressive Handelsvertreter von Abschreibungsgesellschaften, sie sind auch ihrer Funktion Vertreter und als solche viel zu sehr den Launen ihrer Herren und des politischen Marktes unterworfen, um mehr als nur Firmentreue demonstrieren zu können.“ Am Ende des vierten Absatzes könnte etwas über Zimmermann folgen. Aber dies soll die Taschenbuchkolumne werden (und zwar aus Anlaß der Buchmesse).

Reden wir also von Klenk und Flaucher, zwei Ministern im Bayern der Inflationsjahre zwischen Räterepublik und Hitlerputsch. Lion Feuchtwanger hat sie in seinem 1930 erschienenen Roman „Erfolg“ (der später als erster Teil der „Wartesaal“-Trilogie zugerechnet wurde) nach lebenden Vorbildern erfunden.

Justizminister Klenk klagt über Kultusminister Flaucher: „Warum hatte er nicht Männer zu Kollegen wie etwa den alten, feinen Grafen Rothenkamp, der auf seinem Schloß in den Bergen des Chiemgaus hockt, still, vorsichtig, ab und zu nach Rom fährt, mit den Diplomaten des Vatikans leise Politik machend... Warum darf der Reindl so im Schatten bleiben, der Mann der Bayerischen Kraftfahrzeugwerke, der durch seine Verbindung mit dem Ruhrkonzern die Industrie des Landes beherrscht? Von dem Dr. Bichler ganz zu schweigen, dem schlauen Bauernführer... der von nichts weiß, es nie gewesen ist, nie was gesagt hat. Aber wehe, dem Minister oder Abgeordneten, der was tut oder sagt ohne seine Direktiven. Natürlich, diese, die wirklichen Bonzen, halten sich zurück, bleiben unsichtbar. Die Verantwortung müssen andere übernehmen, brave Leute, etwas beschränkt, um Gottes willen nicht zu selbständig.“ Vertreter.

Natürlich ist „Erfolg“ ein historischer Roman, nach angelsächsischen Vorbildern (den Romanen des Walter Scott), aber auch in kritischer Auseinandersetzung mit Döblin und Brecht entwickelt.