Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling fand Trost in Fernost. Letzte Woche informierte er sich in Tokio über Japans Verkabelungs-Pläne. Japan setze zur Zeit bei Kabelprojekten auf Kupfer und suche erst noch nach Masseneinsatzmöglichkeiten für Glasfaserkabel, fand er dort heraus. Der kupferfreundliche Bonner Postminister sah eigene Kabelpläne damit in Japan bestätigt: Die technologischen Wunderkinder in Fernost sind auch nicht weiter als die Deutsche Bundespost.

Die Kollegen in Tokio hatten Schwarz-Schilling freilich nur höflich über den Stand, der heutigen Verkabelung Nippons informiert und dabei Bescheidenheit gezeigt. Das Tokioter Ministerium für Handel und Industrie (MITI) kann dagegen auch mit Zukunftsdaten aufwarten. 1985 soll die heimische Industrie bereits faseroptische Systeme im Wert von 2,2 Milliarden Mark herstellen, während die Firmen sogar mit 2,8 Milliarden Mark rechnen.

Japans sechs Glasfaserherstellern scheint der heimische Markt so eng zu werden, daß sie sich mit einer Produktionsverlagerung in die USA tragen. Dort erwartet die US-Marktforschungsfirma Kessler Marketing Intelligence für 1986 ein Geschäft für Glasfasersysteme im Volumen von 540 Millionen Dollar (1981: 66 Millionen Dollar). Wie zu erfahren war, denkt die japanische Glasfaserindustrie vorerst nicht an die Produktionsaufnahme in der Bundesrepublik Deutschland. Postminister Christian Schwarz-Schilling freilich blieb all das verborgen.

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Der Interversa – Holdinggesellschaft unter anderem für BAT, Pegulan und eine Beteiligung an Horten – bekommen offenbar weder Säfte noch geistige Getränke. Nach einem früheren Engagement bei der Donath-Fruchtsaft-Kellerei trennte sich das Hamburger Interversa-Management jetzt auch wieder von der Restaurant-Kette Weinkrüger. Sie ging je zur Hälfte an die beiden Weinhäuser Hahnhof und Pieroth. Die Ladenkette Jacques’ Wein-Depot war schon Mitte des Jahres an Horten verkauft worden.

Das Pikante an der Geschichte: Jacques’ Wein-Depot hatte Interversa der Pieroth-Gruppe Ende der siebziger Jahre vor der Nase weggeschnappt. Das größte Weinhandelshaus der Bundesrepublik kam zwar auch jetzt heim Hamburger Ausverkauf wieder nicht an die Depots – aber Interversa ist der damalige Erfolg wohl auch nicht so recht bekommen.

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