Sie mochte das Aufsehen um ihre Person noch nie. Doch nun, 57 Jahre nach der Veröffentlichung ihres ersten, bahnbrechenden Forschungsberichtes über die Genetik der Maispflanze, zerrann der Wunsch nach einem ungestörten Leben wohl endgültig: Barbara McClintock erhielt am Montag dieser Woche den mit rund 495 000 Mark dotierten diesjährigen Nobelpreis für Medizin und Physiologie zugesprochen. Damit erreichte die Welle der späten Anerkennung für die 1902 geborene große alte Dame der amerikanischen Genetik ihren Höhepunkt. Verwundern darf die Ehrung niemanden – auch nicht, daß sie anderen Nobelpreis-Favoriten vorgezogen wurde (siehe links). Denn Barbara McClintock fand seinerbeweglichen – „transposablen“ – Elemente in Mais-Genen. Ihre Erkenntnis, daß Erbinformationen nicht starr wie die Perlen einer Schnur aufgereiht sind, sondern – etwa bei dem von ihr untersuchten indianischen Mais mit seinen bunten Körnern – sich zufällig verschieben können, nahm die aktuelle Revolution der Genetik, ja der gesamten Biologie, um ein halbes Jahrhundert vorweg (ein ausführlicher Bericht folgt nächste Woche). GH