Sie haben es nicht leicht, die Damen und Herren der Schwedischen Akademie, die Jahr für Jahr den Nobelpreis für Literatur unter den Völkern des Erdballs verstreuen müssen. Wen immer sie küren: Schelte ist ihnen gewiß.

Daß einer der Preisrichter schimpft, ist neu. Der 78jährige Lyriker Artur Lundkvist, seit fünfzehn Jahren im Preisrichter-Kollegium, vergißt die Schweigepflicht, die er noch fünfzig Jahre lang wahren müßte, und läßt uns wissen, der eben ausgezeichnete 72jährige William Golding („Herr der Fliegen“, 1954) habe den Preis nur durch einen „Handstreich“ erhalten. Lundkvist scheint bei einer Probeabstimmung übergangen worden zu sein. Das muß gerächt werden, notfalls am Preisträger. Der alte Schwede nennt den wenig jüngeren, schriftstellernden Schulmeister aus Salisbury einen „gefälligen“ Schreiber „ohne jede internationale Bedeutung“.

Nachdem die Jury so geschmackvoll war, ihre Begründung mit dem Hinweis auf Goldings „Bestseller“-Qualitäten zu würzen, hat das Preiskomitee erreicht, daß von Golding nicht mehr die Rede ist. Noch die ihm jetzt auf die Schulter klopfen, vergessen nicht den Hinweis, eigentlich sei ja Graham Greene drangewesen. Und Mr. Golding? Der sollte sich erfreuen, wenn nicht der noblen Summe, so doch seiner Gesundheit. Für deutsche Leser hatte er nämlich, so das „dtv-Lexikon“, schon 1958 das Zeitliche gesegnet. R. M.