Das Volksleiden Rheuma ist nicht nur die teuerste Krankheit der Nation. Sie beschert der Pharmaindustrie auch die höchsten Umsätze aller Arzneimittelgruppen: 1982 machte die Industrie mit diesen Mitteln einen Umsatz von 632 Millionen Mark (1970 = 177 Millionen). Allzu oft wurden in jüngster Zeit die mangelnden grundlegenden Kenntnisse über die Ursache(n) rheumatischer Erkrankungen durch flotte Werbesprüche überspielt. So war das Rheumamittel „Coxigon“ (Hersteller: Eli Lilly) 1980 als „neue Hoffnung für Rheumakranke“ eingeführt worden. Im Herbst 1982 mußte die Firma das Mittel vom Markt zurückrufen, nachdem weltweit einige hundert Todesfälle registriert worden waren. Und Mitte September dieses Jahres mußten die Münchner Firmen MSD, Sharp & Dohme sowie Frosst Pharma die erst wenige Monate zuvor vom Bundesgesundheitsamt zugelassenen Präparate „Osmogit“ und „Amuno Gits“ zurückrufen: Die als „neue Ära in der Rheumabehandlung“ angepriesenen Medikamente verursachten bei zahlreichen Patienten schwere Magen-Darm-Komplikationen. Mindestens 51 Menschen in fünf Ländern starben. GH