Was Kinder und Jugendliche im heißen Herbst des Jahres 1983 über die USA erfahren, ist weitgehend vom politischen Konflikt um Nach- und Abrüstung bestimmt. Der Medienalltag evoziert ein eindimensionales Bild der USA. Kinder- und Jugendbücher haben im Konzert der Medieneinflüsse eine gewiß leisere, dafür aber nachhaltigere Stimme. Es lohnt sich nachzulesen, was in neuen US-Kinder- und Jugendbüchern über den politischen Bündnispartner und das Herkunftsland von Pershing II zu erfahren ist.

Der Traum vom edlen Wilden und das Trauma von der brutalen Zerstörung der Indianerkultur produzieren weiterhin Kinder- und Jugendbücher. Authentisches indianisches Erzählgut bieten zehn Episoden, Märchen und Sagen, die eine Lakota-Indianerin als Erinnerungen an ihren Vater wiedergibt –

Rosebud Yellow Robe: „Tonweya und die Adler und andere Indianergeschichten“, übersetzt von Inge M. Artel, illustriert von Jerry Pinkney; Verlag Sauerländer, Aarau; 94 S., 17,80 DM.

Sehr geschickt sind Erklärung und Erzählung der Mythen mit Informationen über Alltagsleben und Gefühlswelt ihrer Träger verwoben: sinnfällig erklärt sich das eine aus dem anderen. Die ganzseitigen Federzeichnungen sind ein Glücksfall: sie vermeiden gängige Romantisierung, bewahren poetischen Zauber und brillieren in der Darstellung der engen Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Tier.

Überlieferte indianische Erzähltradition ist zu völkerkundlichem Wissen geronnen. Der Autor

Malcolm J. Bosse: „Die Traumhöhle“, Deutsch von Fred Schmitz; Benzinger Verlag, Köln; 174 S., 18,80 DM

macht diesen Vorgang deutlich. Ein Fünfzehnjähriger begleitet seinen Onkel mit einer Gruppe Archäologen in die Wüste Arizonas. Eine Klapperschlange versetzt ihn in drei Zeitalter indianischer Entwicklungsgeschichte. Was Ben in den Nomaden-, Jäger- und Ackerbaukulturen an Lebenserfahrung gewinnt, hilft ihm bei der Bewältigung persönlicher Probleme, dem Onkel bei der Lösung archäologischer Rätsel. Der deutsche Leser, gewohnt, indianische Geschichte als Epoche vor und nach der Zerstörung ihres Lebensraumes zu begreifen, erfährt sie hier als Menschheitsgeschichte.