Falsche Frontstellungen müssen überwunden werden, wenn eine vernünftige Politik Erfolg haben soll

Von Horst Bieber

Eine bei Politikern aller Couleur beliebte Theorie besagt, daß sich im Wettstreit um Stimmen auf Dauer nur durchsetzt, wer entweder neue Begriffe findet und popularisiert oder bereits vorhandene Begriffe von grundsätzlich positiver Bedeutung mit seinen Inhalten befrachten kann.

Ganz im Sinne dieser Theorie soll hier ein Begriff vor seinen Besetzern geschützt werden: „Ökologie“. Er zählt zu jenen Ausdrücken, um die sich derzeit viele Gruppen bemühen – freilich vor allem in der Absicht, sich aus dem begrenzten Arsenal der Schlagwörter ein besonders schlagkräftiges zu sichern – wobei schlagkräftig schon enthüllt, wozu es herhalten soll.

Wenn auch jeder Begriff, der aus der Naturwissenschaft in die Politik gezerrt wird, notgedrungen Vergröberung und Verfälschung erleidet – Ökologie heißt mehr als Umweltschutz nach marktwirtschaftlichen Kriterien, wie es rechts von der Mitte formuliert wird; bedeutet nicht, wie es bei den Grünen anklingt, eine ganz andere Wirtschaftsform auf Grund „natürlicher“ Regeln; und ist auf jeden Fall anderes als Freude an der Natur, garniert mit pseudowissenschaftlicher Rechtfertigung.

Ernst Häckel (1834-1919), Mediziner, dann Zoologe, zuletzt Philosoph, beschrieb 1886 als Ökologie die „Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt“. Das Kunstwort aus griechisch oikos (Haushalt) und logos (Lehre) fand zunächst Aufnahme bei den Zoologen und Botanikern, erst gut ein halbes Jahrhundert später in der Wissenschaft von der fragwürdigen Krone der Schöpfung, vom homo sapiens. Seit der Mitte unseres Jahrhunderts rutschte es dann Schritt für Schritt in die Politik hinab, und jeder Schritt fügte der Häckelschen Kern-Definition eine weitere Bedeutungsschale hinzu.

Der so angereicherte Begriff muß zu Beginn der achtziger Jahre gegen Umdeutungen verteidigt werden. Friedrich Zimmermann, der CSU-Bundesinnenminister, springt mit seinem Postulat: „Im Mittelpunkt unserer Verantwortung für die Umwelt Stent der Mensch und seine Gesundheit“ ebenso zu kurz wie Volker Hauff, der sozialdemokratische Ex-Forschungsminister, mit der technokratischen Formel: „Wir brauchen einen neuen Ansatz, um Ökologie und Ökonomie zu versöhnen.“ Mehr Gespür für den historischen Hintergrund beweist der grüne Bunestagsabgeordnete Walter Sauermilch in seiner Antwort auf Zimmermann und Hauff: „Dagegen ist ökologisch orientierte Politik auch im klassischen Sinn ökonomisch.“ Aber das birgt das klassische griechische Einzelgehöft, Stunden beschwerlichen Fußmarsches vom nächsten (Tausch-)Markt entfernt.