Die dümmste Frage, die ihm je auf einer Pressekonferenz gestellt worden sei, lautete: „Sind Sie ein Nazi?“ In London war es, Ende der fünfziger Jahre. Hardy Krüger, lachender Lausbub mit blauen Augen und Held der ersten Nachkriegsfilme, kam zum erstenmal ins Ausland. Davon erzählt er in der Talkshow „Heut’ abend“ seinem Duzfreund Joachim „Blacky“ Fuchsberger. Ja, fährt der Gast fort, das war ein guter Journalist damals, aber er hatte seine Schulaufgaben nicht gemacht. Sonst hatte er nämlich gewußt, daß der kleine Hardy lediglich mit 13 Jahren auf eine sogenannte Ordensburg, eine nationalsozialistische Eliteschule, geschickt worden war. „Das kann nicht meine Schuld gewesen sein.“ Und warum hat er dann die dumme Frage nicht einfach mit nein, sondern mit ja beantwortet? Er sagt, weil ihm ja doch keiner geglaubt hätte, ihm, „dem man da im Ausland eine Schuld auf die Schultern legte, die nicht die seine war“. Er wollte also gewissermaßen den Angriff zum Gegenangriff umfunktionieren. Blacky hat Verständnis, schiebt eine ernste Falte auf die Stirn und dreht dann ab zu einem erfreulichen Thema.

Erfreulich findet er Hardys neues Buch. „Junge Unrast“ heißt es, und sein Held hat als Deutscher einer betrogenen Generation ähnliche Erfahrungen gemacht wie der Theater- und Filmschauspieler Hardy Krüger. Daß es bloß keiner falsch versteht: Es geht nicht um die Unrast, sondern um den August Unrast, den alle „Junge“ nennen. „Ich kann es nur wiederholen“, wirft Blacky ein, „es hat mich wirklich fasziniert.“

Das soll es natürlich möglichst viele. Der Verlag zeigt sich glücklich, daß der Junge Unrast offenbar von vielen schon ins Herz geschlossen wurde. Er verkauft sich gut. Damit das noch besser wird, wurden Multiplikatoren und andere wichtige Menschen zu einer Keller-Party in Hamburg eingeladen. Just am gleichen Abend, als Hardy auf dem Bildschirm aus der Konserve auch mit Blacky plauderte. Unter PR-Fachleuten heißt solch eine Planung „abgestimmt“.

Das Publikum im „Fleetenkieker“ rutscht schon etwas unruhig hin und her, die Kameraleute warten auf der steilen Treppe auf Hardy und den Verlagsmanager. Unverdrossen spielt die Hafencombo einen Shanty nach dem anderen, doch als der Festredner aus München immer noch nicht aufgetaucht ist, mischt sie auch einen „Dr. Schiwago“ unter. Aber dann kommt endlich Hardy, ihm folgt der gehetzte Manager, er entschuldigt die Verspätung mit einem Seufzer, für den alle Anwesenden Verständnis dank Erfahrung aufbringen: „Die Lufthansa!“ Er sagt, was offenbar gesagt werden muß. Hardy Krüger vorzustellen hieße – nein, er scheut die Metapher nicht – Eulen nach Athen zu tragen. „Willkommen, Hardy Krüger, willkommen, Junge Unrast!“ Und für diejenigen, die noch nicht wissen, warum sie hier sind, fügt er hinzu: „Es ist ein wunderschönes Buch geworden für alle, die gern lesen. Gleich in den ersten Tagen hat es die hohen Auflage-Erwartungen erfüllt.

Vielleicht liegt das daran, daß der Playboy schon im Juli auf die unnachahmliche Art hingewiesen hatte, in der Unrast/Krüger Erotisches einzufangen versteht. Alles im Leben, so hatte es der Schauspieler-Autor im Interview erläutert, dreht sich um die Liebe. „Ganz besonders um die körperliche Liebe. Wir sind nun mal so geboren.“

Wie der Junge zum Mann wird, darf der Leser Schritt für Schritt nachvollziehen. Den Unrast will jede, die ihm begegnet. Alle Frauen seufzen: „Bitte komm zu mir.“ Und immer werden sie für dieses „Beben der Nacht“, wie der Autor es an einer besonders wogenden Stelle nennt, reich belohnt, natürlich, Hardy weiß, wovon er spricht, und Feministinnen schrecken ihn gar nicht: „Eine Frau ist nur eine halbe Frau, wenn sie nicht durch die Liebe des Mannes zum Blühen gebracht wird.“ Umgekehrt, räumt er ein, gilt es auch ein bißchen,

Es blüht in einem fort auf 574 Seiten. Auch die Stilblüte. Es drängt und flammt, und ist der Busen eben gerade noch ein Mond, wird er im nächsten Satz zur Pyramide. Darüber hinaus aber hat der Theaterschauspieler, Filmstar, Flieger, Abenteurer und Werbewirksame gefunden, was schon viele vergeblich zu definieren versuchten: