Von Peter Christ

Andere Forschungsinstitute haben größere Etats, schönere Büros, klangvollere Namen und zahlen höhere Gehälter als das Institut für angewandte Ökologie in Freiburg. Doch gelegentlich beneiden Mitarbeiter etablierter Forschungsstätten die Kollegen des Öko-Instituts. Denn sie müssen bei keinem Ministerium Geld oder Planstellen beantragen, keine Behörde überwacht die ordnungs- und Vorschriftengemäße Mittelverwendung und keine bürokratische Dienstaufsicht bremst den Forscherdrang und hemmt die Flexibilität.

Öffentliche Aufträge für das Öko-Institut sind rar, und nach der politischen Wende in Bonn werden sie wohl völlig versiegen. Vor allem Politikern von CDU und CSU ist das Freiburger Institut ein Dorn im Auge. Sie können so gar nichts anfangen mit den Zielen der Forscher, die weiter gesteckt sind als die der sogenannten wertfreien Naturwissenschaft, die sich auf das konzentriert, was berechenbar und reproduzierbar ist.

Für Günter Altner, Biologe, Professor für evangelische Theologie und Gründungsmitglied des Öko-Instituts, kann hingegen die Verantwortung ökologisch orientierter Wissenschaftler beim Entwickeln möglichst effizienter Technologien nicht enden. „Wir fragen auch nach den Folgen und der ökologischen Verträglichkeit von Technologien“, meint Altner.

Dabei beschränken sich die Freiburger nicht auf Parallelforschung, mit der sie die Arbeit anderer Wissenschaftler kontrollieren wollen. Sie. mischen sich auch in die umweltpolitische Auseinandersetzung ein, nennen Verursacher von Umweltschäden, geben Betroffenen Ratschläge für ihr Verhalten und sprechen politische Empfehlungen aus.

So hilflos wie beim Streit um das Atomkraftwerk in Whyl sollen Bürgerinitiativen bei ihren Auseinandersetzungen mit den Gegnern aus Industrie, Politik und Bürokratie nicht mehr dastehen. Damals, Mitte der siebziger Jahre, hatten die Atomenergiegegner vor dem Verwaltungsgericht in Freiburg den wissenschaftlich versierten Gutachtern der Atomlobby nichts entgegenzusetzen. Der Protest blieb hemdsärmelig und letztlich fast wirkungslos, weil ihm die wissenschaftlich fundierten Argumente fehlten. Es lag nicht am Protest der Atomenergiegegner, daß in Whyl vorerst kein Kraftwerk gebaut wird, sondern an den falschen Prognosen über den Stromverbrauch.

Vierzig Leute aus Wissenschaft, Politik und Kultur wollten 1977 ein wissenschaftliches Institut zur Unterstützung der Umweltschutzbewegung schaffen. Heute, fast sechs Jahre später, fürchtet der Berliner Professor Arnim Bechmann, daß das Öko-Institut vielleicht zu einer Mammutorganisation wuchere, zu einem „Mini-Umweltbundesamt der Öko-Bewegung“.