Wem schaden die „Bitteren Pillen?

Von Peter Jennrich

Die Droge, die der Arzt anwendet“, schrieb der Hamburger Psychosomatiker Arthur Jores vor mehr als zwanzig Jahren, „ist das Wort. Von der Mächtigkeit des Wortes haben wir heutige Menschen keinen rechten Begriff mehr.“ Und: „Sein Wort ist seine wichtigste Arznei.“

Wer einen Blick auf den bundesdeutschen Pharmamarkt tut, kann leicht den gegenteiligen Eindruck bekommen. Etwa 700 Millionen Arzneimittelverschreibungen stellen Ärzte hierzulande jährlich aus. Rund 70 000 industriell gefertigte Präparate werden feilgeboten.

In diesen Dschungel führten für den Patienten bislang nur drei Pfade: die Empfehlung des Arztes, Einzeldarstellungen der Presse und das Eigenstudium des Beipackzettels. Mit

Kurt Langbein/Peter Sichrovsky/Hans-Peter Martin/Hans Weiss: „Bittere Pillen. Nutzen und Risiken der Arzneimittel. Ein kritischer Ratgeber.“ Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1983; 864 Seiten, 25,– DM,

wird daraus ein bequemerer Weg. Ob freilich die imponierend hohen Verkaufszahlen sogleich nach Erscheinen des Bestsellers auch als ein Indikator für künftig verändertes Medikamentenverhalten gelten dürfen, muß sich erst erweisen.