ZEIT: Warum fällt der Dollarkurs?

Pöhl: Für die Korrektur des überhöhten Dollarkurses gibt es eine Reihe von Gründen. Die Zinsdifferenz zwischen Dollar- und D-Mark-Anlagen hat sich verringert. Sie betrug für Dreimonatsanlagen auf dem Euromarkt einige Zeit mehr als fünf Prozent, zur Zeit nur noch etwa dreieinhalb Prozent. Hinzu kommt, daß die USA in diesem und wohl auch im nächsten Jahr ein außergewöhnlich hohes Defizit in ihrer Handels- und Leistungsbilanz haben werden. Diese Entwicklung könnte früher oder später zur Schwächung der amerikanischen Währung führen. Bisher ist das außenwirtschaftliche Defizit allerdings wegen der hohen Zinsen durch Kapitalimporte finanziert worden.

ZEIT: Ist nicht ein weiterer Grund der, daß sich die Dollarbesitzer von der US-Währung trennen, weil sie damit rechnen, daß Präsident Reagan im Wahljahr 1984 wieder auf Inflationskurs gehen wird?

Pöhl: Ich kann keine Vermutungen darüber anstellen, was die Akteure auf den Devisenmärkten veranlaßt, Dollar zu verkaufen. Ich kann nur sagen, daß die D-Mark eine bessere Bewertung verdient hat. Unsere fundamentale Lage ist ja nicht ungünstig. Wir haben eine ausgeglichene Leistungsbilanz und eine niedrige Inflationsrate.

Nun – die Schwächeperiode scheint jetzt überwunden zu sein, die Korrektur war fällig. Ich glaube, daß die Erhöhung des Lombardsatzes Anfang September auch etwas dazu beigetragen hat, weil wir damit deutlich gemacht haben, daß wir an unserer konsequenten Stabilitätspolitik festhalten.

ZEIT: Als der Dollar noch stark war, wurde hierzulande viel darüber geklagt. Haben wir jetzt Gruna zum Jubeln?

Pöhl: Geklagt wurde unter dem Eindruck steigender Einfuhrpreise. In der Tat hat die D-Mark-Schwäche dazu beigetragen, daß die Einfuhrpreise seit ihrem tiefsten Stand im April beträchtlich gestiegen sind – mehr als uns lieb ist. Andererseits hat die Schwäche der D-Mark unseren Exporteuren Wettbewerbsvorteile gebracht. Wenn es zu einer dauerhaften Korrektur der Überbewertung des Dollar kommen sollte, wäre das sicher zu begrüßen.