Wenn Eltern geschieden werden, leben die gemeinsamen Kinder meist weiter bei der Mutter. Dem Vater bleibt außer seiner Unterhaltspflicht, die sich mit einem Dauerauftrag bei der Bank erledigen läßt, nur ein mageres Besuchsrecht. Ein Wochenende im Monat und eine Ferienreise im Jahr – darauf reduziert sich im Schnitt das Elternrecht „geschiedener Väter“. Vielen Müttern ist schon das zu viel: die meisten hätten ihr Kind lieber ganz für sich. Streitereien um das väterliche Besuchsrecht gehören deshalb für die Familienrichter zum alltäglich wiederkehrenden Kleinkram.

Wenn die Mutter wieder heiratet, verschärft sich die Situation. Oft tendieren Mütter dann dazu, ihren Kindern den neuen Ehemann als Vater zu präsentieren. Immer häufiger versuchen sie in den letzten Jahren, dies auch nach außen zu dokumentieren: Sie beantragen, dem Kind auch formell den Familiennamen des Stiefvaters zu geben.

Die „geschiedenen Väter“ reagieren dann oft mit Empörung. Wenn die Mutter einerseits die monatlichen Unterhaltszahlungen einklagt, andererseits aber das väterliche Besuchsrecht reduziert, wo immer sie kann, bringt der Antrag auf Namensänderung das Faß des Unmuts vollends zum Überlaufen: Die Väter gehen vor Gericht. Eine stattliche Anzahl von Urteilen dokumentiert diese Entwicklung.

Bis in die Mitte der siebziger Jahre hinein gaben die Gerichte der Mutter praktisch keine Chance, den Namen des Kindes gegen den Willen des leiblichen Vaters zu ändern. Dann aber wandelte sich die Rechtsprechung. Die Interessen des Vaters traten zurück und die des Kindes deutlich in den Vordergrund. Der Name – so meinten die Richter – sollte nicht in erster Linie die blutsmäßige Abstammung, sondern vor allem die soziale Vaterschaft deutlich machen. Das Kind aber habe ein Interesse daran, den gleichen Namen zu tragen wie seine Mutter und seine Halbgeschwister. Also entschieden sie immer häufiger zugunsten der Mutter (und des mit ihr verheirateten sozialen Vaters) und gegen den leiblichen Vater. Selbst wenn die Mutter es planmäßig darauf angelegt hatte, das Verhältnis des Kindes zum leiblichen Vater zu zerstören oder (bei Kleinkindern) gar nicht erst entstehen zu lassen, gaben sie dem leiblichen Vater kein Widerspruchsrecht gegen die Namensänderung.

Noch im Januar dieses Jahres ließ das Oberverwaltungsgericht Hamburg die Namensänderung eines Kindes zu, das zwar zum leiblichen Vater nachweislich ein gutes Verhältnis hatte, auf Betreiben der Mutter aber „seit langem in seinem Sozialbereich unter dem Namen des Stiefvaters“ bekannt war. Die Richter meinten, die Ablehnung der Namensänderung liefe hier letztlich auf die Änderung des tatsächlich gebrauchten (aber falschen) Namens hinaus, und dies sei „der gedeihlichen seelischen Entwicklung des Kindes abträglich“. (Aktenzeichen: OVG Bf. III 105/82)

Praktisch bedeutet das: eine Mutter, die ihr Kleinkind de facto unter dem Namen des Stiefvaters aufwachsen läßt, kann die formelle Namensänderung später auch gegen den Willen des leiblichen Vaters problemlos durchsetzen. Daß ein solches Verhalten rechtswidrig und dem Vater gegenüber grob unfair ist, tut nichts zur Sache – das Zauberwort „Kindeswohl“ rechtfertigt alles.

In einer kürzlich veröffentlichten Entscheidung hat nun das Bundesverwaltungsgericht das Rad wieder ein Stückchen zurückgedreht. Es lehnte den Namensänderungsantrag einer Mutter ab, deren Kinder gegen den leiblichen Vater eine „starke Abneigung“ empfanden und allein ihren Stiefvater als „richtigen Vater“ ansahen. Die Richter meinten, das „unvernünftige Verhalten“ der Mutter habe die „hartnäckige und intensive Ablehnung“ der Kinder geradezu provoziert. Das aber sei „Ausdruck einer Fehlhaltung“, die eine Namensänderung nicht rechtfertigen könne. Denn: „Das Namensänderungsrecht darf nicht dazu herhalten, im Bewußtsein des Kindes die Tatsache zu verdrängen, daß es sozusagen zwei Väter hat.“ Kinder aus geschiedenen Ehen müßten vielmehr „in gewissem Umfang mit den damit verbundenen Problemen zu leben lernen“, auch mit denen einer Namensverschiedenheit (Aktenzeichen: 7 C 58/82).