Der Oktober war für den deutschen Aktienmarkt ein Super-Monat. Der Aktien-Index kletterte auf den bisher höchsten Stand in diesem Jahr – und dies bei lebhaften Umsätzen. Den Hauptanteil daran hatten wieder die Ausländer. Ihr Interesse gilt nach wie vor wenigen deutschen Spitzenaktien. Neuerdings wenden sie sich verstärkt den Papieren der Großchemie zu, einer Branche, die von der Konjunkturbelebung deutlich profitiert.

Den meisten Banken ist wegen des Tempos der Kursaufwärtsbewegung unwohl. Sie sind der Meinung, daß der größte Teil der Gewinnerwartungen für dieses und nächstes Jahr in den heutigen Aktienkursen eskomptiert worden sind. Die Anlageberater raten, jeden weiteren Kursanstieg zum Abbau der Bestände zu nutzen.

Dabei wird insbesondere auf die Folgen hingewiesen, die dann eintreten werden, wenn sich die Ausländer wieder von deutschen Aktien abwenden sollten. Treten keine politischen Ereignisse ein, die es als opportun erscheinen lassen, nicht mehr in der Bundesrepublik engagiert zu sein, werden die meisten ausländischen Anleger aber wohl so lange an ihren deutschen Papieren festhalten, wie die Aussicht auf eine Aufwertung der Mark gegenüber dem Dollar und anderer westlichen Währungen besteht.

Auch wenn die Freude über den Kursanstieg am Aktienmarkt wegen der möglichen Rückschlaggefahr nicht mehr ungetrübt ist, fällt es doch immer schwerer, die private Bankenkundschaft zum Aktienverkauf zu bewegen. Sie stützt sich auf positive Langzeitprognosen, wie sie gerade jetzt wieder verkündet worden sind, und hofft auf weitere Kursgewinne.

Daß nach einer so langen Hausse-Zeit die Freude am Spekulieren wächst, liegt auf der Hand. Denn nur an wenigen Papieren ist bisher wirklich Geld verloren worden. Bei den meisten haben sich „Schieflagen“ durch spätere Kurserholungen von selbst erledigt.

Nur so ist es zu verstehen, wenn die private Bankenkundschaft bei den Spekulationen um die Allianz Versicherung, um Conti-Gummi oder Phoenix kräftig mitmischt. Der Kurs der Allianz Versicherung hat sich von seinem Tiefstkurs bis heute um mehr als 75 Prozent erhöht. Conti-Aktien stiegen vom tiefsten Punkt bis heute um 93 und Phoenix sogar um 128 Prozent. K. W.