Ein Richterspruch könnte Steuerspar-Modellen den Garaus machen

Eines der heißesten Eisen des Anlage-Geschäfts in der Bundesrepublik, an dem sich schon manch einer die Finger verbrannt hat, der durch Steuerersparnis Vermögen bilden wollte, ist seit kurzem noch um einige Grade heißer geworden: „Bauherren-Modelle“ sind neuerdings erst recht eine Sache für Wagemutige. Denn nicht genug damit, daß, wer mit Hilfe solcher Finanzierungsmodelle zu einer Eigentumswohnung kommen möchte, mit dem Bau möglichst schon begonnen haben sollte, wenn er die bis Ende des nächsten Jahres begrenzten Steuervorteile noch voll mitnehmen will – nicht genug also mit solcher Lieblosigkeit des Gesetzgebers, bringt ihn nun ein Richterspruch vollends in die Klemme.

Das Finanzgericht des Saarlandes nämlich hat in einem soeben rechtskräftig gewordenen Urteil (AZ I 134/81) gegen einen Apotheker aus dem Südwest-Staat entschieden, daß er mit der Bauherrenmodell-typischen Anhäufung sogenannter Werbungskosten nicht den erhofften raschen Gewinn machen kann. Eine Reihe von Ausgaben etwa für Baubetreuung, die der Apotheker, wie alle Teilnehmer an Bauherrenmodellen, noch im gleichen Jahr steuerlich absetzen wollte, wird mit diesem Urteil den Herstellungskosten des Gebäudes zugerechnet – diese Kosten aber können nur im Rahmen der mehrjährigen Gebäudeabschreibung steuerlich geltend gemacht werden.

Seit dem Richterspruch aus Saarbrücken rätselt die Branche, gegen wen er sich richten könnte – nur gegen den Herrn Apotheker, oder auch gegen Abertausende anderer Eimer von Bauherrenmodell-Wohnungen? Anlage-Spezialisten wie der Lübecker Lutz Schumann vermuten zwar, daß neuere Bauherrenmodelle – das des Apothekers aus dem Saarland datiert aus dem Jahr 1972 – auf Grund geänderter Vertragsgestaltung im allgemeinen für die Beteiligten sicher seien. Doch man hört es auch anders. So meint Herbert Lemke von dem in Köln erscheinenden Anleger-Blatt Geld Magazin, nach dem Urteil sei die „Verunsicherung grenzenlos“.

Alle bis ins Jahr 1975 zurückreichenden Bauherrenmodelle müßten, argwöhnt Lemke, nunmehr mit einer ähnlich unerfreulichen Behandlung durch Finanzämter und Finanzgerichte rechnen wie das unglückliche Saar-Modell. Denn soweit zurück reiche der Berg der noch nicht endgültig abgeschlossenen steuerlichen Veranlagungen. Wenn das stimmt, dann müßte nun manches Paar Knie schlottern. Denn allein im vergangenen Jahr haben rund 20 000 Bauherren mit Hilfe einschlägiger Modelle 35 000 Wohnungen errichtet. In diesem Jahr könnte sich diese Zahl, nachdem der Gesetzgeber durch die Befristung der sogenannten „Mehrwertsteuer-Option“ bis Ende des nächsten Jahres eine gewisse Torschlußpanik erzeugt hat, sogar noch erhöhen.

Bauherrenmodell-Freunde wie Lutz Schumann weisen zwar gern darauf hin, daß es einen amtlichen „Bauherren-Erlaß“, datiert aus dem Jahr 1981 und zwischen Bund und Ländern abgestimmt, gebe, der allen Interessenten ein rechtlich solides Fundament biete. Danach soll unter anderem klar sein, daß der einzelne Bauherr das Baugeschehen auch wirklich beherrscht – nicht nur sein Geld also soll darin verwickelt sein, sondern er selbst soll entscheidend und gestaltend mitwirken, wie sich das nun einmal für einen Bauherrn gehört. Dann dürfe er die umstrittenen Werbungskosten gebündelt in einem Jahr steuerlich absetzen.

Daß dieser Bauherren-Erlaß so übermäßig solide aber nicht sein kann, mögen in diesen Tagen bereits die Leser der Süddeutschen Zeitung geahnt haben, denen von einer Äußerung des bayerischen Finanzministers Max Streibl berichtet wurde: Das Urteil des saarländischen Finanzgerichts werde „in Bayern bis auf weiteres“ nicht zu einer Änderung der Finanzamts-Praxis führen. Anderenorts kann es also anders sein – nach Schumanns Befürchtung vielleicht in sozialdemokratisch regierten Bundesländern, nach Lemkes Auffassung aber allerorts. Denn der Bundesfinanzhof hat bei früherer Gelegenheit mitgeteilt, was der Bauherren-Erlaß sei: die „Äußerung einer dem Gesetz nicht entsprechenden Rechtsauffassung“.