George Cruikshank, Karikaturist“ heißt eine Ausstellung, mit der das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover einen großen englischen Karikaturisten zum erstenmal in Deutschland umfassend (176 Blätter werden gezeigt) vorstellt. „Gillray the earicaturist who resides at Mrs. Humphrey’s, the caricature shop in St. in St. James’s Street“, so annoncierte sich sein kaum minder großer Vorgänger, und als der 1811 wegen geistiger Umnachtung in ein Hospital eingeliefert wurde, übernahm Cruikshank die Position, vollendete zunächst auch ein paar von Gillray begonnene Radierungen. Karikaturist als Beruf: Da mußte man schnell sein in der Reaktion, gut informiert, klar in der Meinungsäußerung. Der Karikaturist sah sich nicht als Künstler, sondern eher als Journalist (ein Selbstverständnis, das in England eine gesunde Tradition der Karikatur wachsen ließ, wohingegen in Deutschland die Karikaturisten, die auf die Berufsbezeichnung Künstler Wert legen, den Witz mit Zeigefinger und Rohrstock ermorden). Daß Karikatur eine Kunstform sein kann, zeigt aber gerade George Cruikshank, der auf seinen Buttern ganze Szenarios liebevoll arrangierter Bosheiten ausbreitet, durch zierlich aufgefüllte Sprech-Rauchwölkchen komplettiert und dann das Geschehen in leuchtenden Farben koloriert. Am ätzendsten, im wahrsten Sinne des Wortes, war Cruikshanks Radierarbeit, als er sich in das politische Tagesgeschehen einmischte, den kleinen, großen England-Feind Napoleon als „Boney“ in Szenen der Lächerlichkeit verhöhnte und das lasche Luxusleben des „Prince of Pleasure“ und späteren Königs Georg IV. gar nicht zimperlich karikierte. Als Cruikshank feiner werden wollte, nicht mehr die lästerlichen Zeitgenossen, sondern das Laster schlechthin denunzierte, wurde er schwächer: Der Karikaturist verblaßte zum Moralisten. (Wilhelm-Busch-Museum bis 8. Januar 1984.)

P.K.