Entwicklungsminister Jürgen Warnke hat offenbar doch nicht die Absicht, die „Deutsche Entwicklungsgesellschaft“ (DEG) in Köln zu einer Versorgungszentrale für Politiker zu machen, die im Rahmen der Wende keinen attraktiven Regierungsjob bekommen haben (Bonner Kulisse vom 28. 10. 1983). Die Bewerbung des CDU-Bundestagsabgeordneten Horst Schröder (Lüneburg) für den Geschäftsführer-Posten bei der Kölner DEG liegt dem Minister zwar vor, er hat sie jedoch zunächst beiseitegeschoben und nicht nur, weil auch die SPD Anspruch auf einen solchen Posten erhebt. Der ehemalige Finanz- und Postminister Hans Matthöfer hat Interesse an dem Geschäftsführerjob bekundet. Matthöfer, der immerhin viele Jahre mit Entwicklungshilfe zu tun hatte, wird den Posten allerdings nicht bekommen, weil die DEG-Geschäftsführer noch nie nach Parteienproporz besetzt wurden. Schröder wird es aber auch nicht. Zwar hat er praktische Erfahrungen im Politiker-Beruf, im Bankmanagement ist er jedoch nicht zu Hause. Die DEG indes ist eine Art Bank, noch dazu eine seriöse, die weder im Ausland noch im Inland in den Ruf kommen will, politisiert zu – werden. Hinzu kommt noch, daß der dritte Geschäftsführer-Posten bei der DEG, den bis Jahresbeginn Karl-Heinz Sohn, früherer Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium, innehatte, gar nicht vakant ist. Nach dem Weggang von Sohn hatte der Aufsichtsrat, darunter der bei der Bonner Regierung so wohlgelittene Bankier Wilfried Guth von der Deutschen Bank, entschieden, daß die Gesellschaft künftig mit zwei Geschäftsführern auskomme und es keinen Sachzvang für einen dritten Mann gibt, selbst wenn der gern erster sein möchte. Angesichts der Tatsache, daß die DEG-Geschäfte derzeit rückläufig sind, wird sich Minister Warnke über das Aufsichtsratsvotum nicht hinwegsetzen, selbst wenn er das als DEG-Eigentümer könnte.

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Der Ruf der Medizinisch-Pharmazeutischen Studiengesellschaft (MPS) in Mainz, ein Zusammenschluß der sieben großen forschungstreibenden Pharma-Firmen in der Bundesrepublik, dürfte nun für eine Weile arg ruiniert sein. Was sich die Repräsentanten von Bayer, Boehringer Sohn, Boehringer Mannheim, Hoechst, Knoll, Merck und Schering mit dem Abteilungsleiter Gesundheit und Krankenversicherung im Arbeitsministerium, Ministerialdirektor Albert Holler, geleistet haben, ist wohl einmalig. Erst haben sie Holer bewogen, neuer MPS-Hauptgeschäftsführer zu werden, nun zeigen sie ihm die kalte Schulter und tun so, als sei nie etwas gewesen. In einer MPS-Erklärung heißt es: „Entgegen anderslautenden Pressemitteilungen bestehen keine vertraglichen Vereinbarungen mit Herrn Ministerialdirektor Albert Holler über die Aufnahme einer Beschäftigung in der MPS und der sie tragenden Unternehmen.“ Tatsächlich ist etwas anderes passiert Nachdem Holler von der MPS per Handschlag verpflichtet worden und man übereingekommen war, Holler solle sich nun erst einmal bei seinem Minister Norbert Blüm um eine Entlassung bemühen, wurden die MPS-Bemühungen um Holler durch gezielte Indiskretionen in der Branche ruchbar, und dort drohte nun ein Aufstand. Für die meisten Pharma-Unternehmen ist Holler nämlich ein rotes Tuch, weil er als der Mann im Ministerium gilt, der sich – erfolgreich – um eine Kostendämpfung im Gesundheitswesen bemüht hat, allerdings auch auf Kosten des Pharma-Umsatzes. Da die Feindbilder in der Branche stimmen, gab es im Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPJ) ziemlich einhelligen Protest gegen die großen Sieben in der MPS, die auch im BPI einigen Einfluß haben. Es wurden sogar Spaltungsabsichten laut. Zum Hintergrund des Unmuts gehört auch: Kleine und mittlere Unternehmen befürchten, die großen Sieben in der MPS hätten sich Holler nur geholt, um mit seiner Hilfe einen Unternehmenskurs gegen die übrigen in der Branche zu steuern. Aber auch in der MPS selbst gab es Widersacher gegen Holler, so vor allem bei Wolfgang Freiherr von Pölnitz, Vorstandsmitglied von Hoechst, der beim Holler-Engagement übergangen wurde. Er hat in der MPS für den Rückzug aus dem Holler-Geschäft plädiert. Albert Holler bleibt nun vorerst im Ministerium. Fraglich allerdings ist, ob er den Job bei der MPS überhaupt hätte antreten können. Minister Norbert Blüm war nämlich ohnedies nicht bereit, ihn auf Staatskosten in einen Ruhestand zu schicken, den Holler dann einträglich bei der Pharmaindustrie verbracht hätte.

Wolfgang Hoffmann