/ Von Armgard Seegers

Über Woody Allem neuesten Film „Zelig“ schrieb Reinhard Baumgart vor drei Wochen in dieser Zeitung: „Einen Film lang beweist nun Allen, daß und warum ihm sein Nabel immer noch vorkommt wie mindestens die halbe Weltkugel, und daß seine Identität beziehungsweise Nicht-Identität genau der Stoff ist, aus dem er Träume zaubern kann, Alpträume und Wunschträume. Unsere Mitarbeiterin, die die Filmdialoge aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen hat, porträtiert Amerikas größten Komiker.

Seine Komik findet sich an jenem winzigen Punkt, wo Konkretes und Abstraktes zusammentreffen könnten. „Ich hasse die Wirklichkeit, obwohl ich mir darüber klar bin, daß sie immer noch der einzige Ort ist, wo man ein anständiges Steak bekommt.“

Oder: „Gibt es ein Leben nach dem Tode und wenn ja, werden sie in der Lage sein, einen Zwanziger zu wechseln?“

Woody Allens Komik basiert stets auf einem Zusammenprall von Erhabenem und Nichtigem, Banalem. „Warum mußte diese Frau in der Blüte ihres Lebens so leiden – weil sie in ihrer Jugend dem Althergebrachten zu trotzen wagte und mit einer braunen Papiertüte auf dem Kopf heiratete?“

Hinter allem Erhabenen lauert die lächerliche Wirklichkeit. Der Konflikt zwischen Sein und Schein endet immer zugunsten des Seins, das die Lacher auf seiner Seite hat. Das Leben, das er doch so gerne erfolgreich meistern möchte, spielt ihm übel mit. Man weiß es, er wird hinterher immer als der Verlierer dastehn, er ist zu Recht der wandelnde Minderwertigkeitskomplex.

– Als ich ihn treffe, bin ich überrascht. Zugegeben: Er ist eines meiner Idole (neben Marlon Brando und dem Pop-Sänger James Taylor), da neigt man dazu zu idealisieren, aber so häßlich habe ich ihn mir nicht vorgestellt, und gleich ertappe ich mich bei dem Gedanken, wer so aussieht und trotzdem Erfolg bei Frauen haben will, muß sich schon was ganz Besonderes einfallen lassen. Muß er gar nicht. Denn dieser erste Eindruck verfliegt sofort.