In Särgen schaffte 1856 ein deutscher Botaniker kiloweise Cinchona-Samen über Perus Grenzen. Die Rinde der hernach auf Java angepflanzten Bäume lieferte den Fiebersenker und Antimalaria-Wirkstoff Chinin. Einstiger Handelswert: tausend Mark für vier Kilo Baumrinde.

Profaner, in ein paar Socken gestopft, schmuggelte 1978 ein katholischer Priester doppelt-reiskorngroße Lamtoro-Samen aus den Philippinen auf die indonesische Insel Timor. Für Indonesien, wie andere unterentwickelte Länder auch, könnte Lamtoro bald höher im Kurs stehen als Chinin.

Denn fossile Brennstoffe sind in den ländlichen Regionen der Dritten Welt vielfach unbezahlbar. Mehr als drei Viertel des dort gesammelten Holzes dienen dem Heizen und Kochen. Holzeinschlag und Überweidung geben den Boden Wind und Regen preis. Erosion setzt ein, der Wasserhaushalt gerät durcheinander. Zwangsläufig verschlechtert sich somit die Ausgangslage der Landwirtschaft.

Der Hülsenfrüchtler Lamtoro (wissenschaftlicher Name: Leucaena leucocephala) kann in diesem bösen Kreislauf gleich mehrere Lücken schlie-

ßen. Lamtoro ist einer der am schnellsten wachsenden Bäume der Erde und bietet schon nach vier Jahren ein Holz von hoher Dichte. Es erreicht praktisch den kalorischen Brennwert von Kohle und läßt sich mühelos zu Holzkohle und stabilen Werkzeugen für die Landwirtschaft verarbeiten. Zudem ist die Pflanze gegen Schädlinge ungewöhnlich resistent, weshalb die armen Länder kaum Insektizide kaufen müßten.

Die vielleicht wertvollsten Qualitäten entfaltet Lamtoro als Erosions-Hemmer. Die weitverzweigten Wurzelwerke der Gewächse dringen auch in feste Böden ein und speichern Wasser.

Das Vermögen von Bäumen, Wasser zu binden, wurde in warmen Zonen und für das Klima der Welt bislang eher unterbewertet. Eine am Amazonas erstellte Studie belegte kürzlich, daß bewaldete Areale 75 Prozent des aufgenommenen Wassers wieder in die Atmosphäre entlassen. Wichtiger jedoch ist nach Einschätzung dieser Studiengruppe von Meteorologen, Ökologen und Ozeanographen, daß bewaldete Regionen doppelt soviel Feuchtigkeit abgeben als Gras- oder Weideland! Resümee eines Experten: „Die Wasser- und Wärmebilanz einer Landmasse hängen von der Art des Bewuchses ab.“ Immerhin 25 Prozent des in die Atmosphäre rückgeführten Wassers dunsten Baumblätter aus.