Hörenswert

LA 4: „Executive Suite“. Möglich, daß der Name der Combo auf Los Angeles weist, und die Zahl meint, denke ich, das Quartett, das diese ausgezeichneten, offensichtlich klassisch geschulten Herren bilden: Laurindo (ein Vorname wie im Märchen) Almeida (Gitarre), Ray Brown (Kontrabaß), Jeff Hamilton (Schlagzeug, Perkussion), Bud Shank (Altsaxophon, Flöte). Was sie mit einer „executive suite“ meinen, soll ihr Geheimnis bleiben; die Musik, die sie machen, lenkt ohnehin davon ab, weil sie von unerwarteter Qualität ist. Im Programm sind Stücke von Vinicius de Moraes wie von Richard Rodgers, von Johann Sebastian Bach wie von Jacques Ibert; aber es versteht sich, daß sie alle in Jazz verwandelt werden, einen lateinamerikanisch eingefärbten, virtuosen, an Stimmungsbildern reichen, dem Ohr wohlgefälligen Jazz. Für den Klang und seine besonderen Farben steht schon die Besetzung, die zu interessanten Kombinationen führt. Da ist packend zu hören, wie das kräftige, singende oder bissig knurrende Saxophon sich mit dem lebhaften Kontrabaß zusammentut und dann das Schlagzeug provoziert. Nein, seicht ist das niemals, schon weil die Dramaturgie der Chorusse Geschmack und Intelligenz erkennen läßt (Concord Records CJ-215)

Manfred Sack

Hörens- und nachahmenswert

Johann Sebastian Bach: „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, 1725“. Die Vorstellung entbehrt weder der Komik noch der Tristesse: Leonard Bernstein oder Mauricio Kagel, wie sie anno 1983 für Ehefrau oder Kinder eine Anthologie ihres gemeinsamen Hausmusizierens niederschreiben, Selbstverfaßtes zumeist, ein bißchen viel mit Pädagogischem durchsetzt, Fleißübungen und kleine Späßchen, Petitessen, die den ausführenden Hausgenossen zu Ehre und Bewunderung, allen Beteiligten zur Freude des Selbermachens verhelfen sollen. Lang, lang ist’s her, seit Johann Sebastian Bach solches für seinen Sohn Wilhelm Friedemann oder seine Frau Anna Magdalena komponierte. Daß deren Finger und Stimmbänder damals recht geläufig gewesen sein müssen, erkennen heutige Adepten schnell mit hinreichendem Respekt wie gelindem Zorn – und zeigen damit, wie lange es auch her ist, daß Hausmusik noch eine tugendhafte Pflicht war. Vielleicht macht die vorliegende Aufnahme ja dem einen oder anderen Appetit. Genüßlich angerichtet ist sie durchaus – und fortschrittverheißendes Oben wird an den Stücken sogar zum Vergnügen, selbst für die Zuhörer. (Scheurich, Schädle, Gilvan, Brachmann, Stuttgarter Hymnus-Chorknaben, Leitung: Gerhard Wilhelm; Intercord 180.858). Heinz Josef Herbort