Grenada, die südlichste der Windward-Insein, ist 344 Quadratkilometer groß und hat etwa 110 000 Einwohner. Zum „State of Grenada“ gehören noch mehrere kleine Inseln, die Grenadinen. Die Bevölkerung besteht aus 52 Prozent Schwarzen und 42 Prozent Mulatten, ferner Indern und weniger als ein Prozent Weißen. Amtssprache ist Englisch; Hauptreligionen sind Protestantismus und Katholizismus. Die Insel exportiert Kakao, Bananen, Muskatnüsse, Rum und Zucker; ein Drittel des bebaubaren Landes liegt brach.

Die Insel wurde ursprünglich von den Franzosen kolonisiert, 1762 von den Engländern übernommen und 1974 in die Unabhängigkeit entlassen. Staatsoberhaupt des Commonwealth-Mitglieds ist die englische Königin, vertreten durch den Generalgouverneur Sir Paul Scoon. Die Insel gehört der karibischen Gemeinschaft CARICOM und der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS, gegründet 1981) an.

Ministerpräsident Sir Eric Gairy, ein konservativer Wirrkopf, wurde im März 1979 gestürzt; sein Nachfolger Maurice Bishop, Führer des New Jewel Movement‚ versuchte einen eigenen links-nationalistischen Wirtschaftskurs. Zur Förderung des Tourismus baute er mit kubanischer Hilfe bei Point Salines einen Großflughafen – von Washington als kubanisch-sowjetischer Luftstützpunkt denunziert.

Bishops Stellvertretender Bernard Coard, ein linientreuer Marxist mit guten Beziehungen zu Moskau, stürzte mit Hilfe des Politbüros seinen populären Freund und Mitrevolutionär; die Bevölkerung befreite Bishop aus der Haft. Bei einem versuchten Gegenputsch wurde er festgenommen und später exekutiert. Ein militärischer Rat unter General Austin übernahm die Macht. Am Wochenende vor der Invasion tagten die OECS-Staaten. Gestützt auf einen Hilferuf des Generalgouverneurs baten sie die Vereinigten Staaten um militärisches Eingreifen. Die Invasion begann am Dienstag voriger Woche; am vergangenen Montag endeten die Kämpfe: Der Widerstand der knapp 800 Kubaner war heftiger als erwartet.

In Bishops vierjähriger Amtszeit blieb die Wirtschaftsform unangetastet. Drei Fünftel aller Unternehmen sind immer noch privat, daneben entstanden Kooperativen und Genossenschaften; eine zentrale Planung gab es nicht. Wie alle karibischen Inseln geriet Grenada seit Ende der siebziger Jahre in eine Rezession, die Preise für die Haupt-Exportgüter sanken, der Touristenstrom versiegte. Zu den „Dauertouristen“ gehörten rund 500 amerikanische Medizinstudenten, die in den Vereinigten Staaten keinen Studienplatz gefunden hatten. Mit der angeblichen Gefahr, sie könnten von der Militärjunta als Geiseln genommen werden, begründete Präsident Reagan unter anderem seinen Invasions-Beschluß. H. B.