Der beste Grund für Frankreichreisende, ihren Paß nicht zu verlieren, ist das deutsche Konsulat in Paris. Es sieht aus, als wäre es die Kulisse für einen antideutschen Propagandafilm Links neben dem Eingang hängt ein Plakat mit Terroristen, nach denen gefahndet wird, darunter liegt ein Gummiknüppel. Mit Pistolen bewaffnete Grenzschützer schleusen die Antragsteller nach eingehender Befragung, immer hübsch einzeln, durch zwei Eisengitter.

Das Innere dieses Schaufensters deutscher Lebensart ist fest in Beamtenhand. Wer bittend hier erscheint, weil er die Unvorsichtigkeit besaß, sich seine Papiere stehlen zu lassen, merkt schnell, daß er nichts ist als ein Eindringling im friedlichen Land der Stempel und Formulare, ein Bote des Chaos, den es zu bandigen gilt. Zu diesem Zweck sind alle Schalter mit Panzerglas gesichert, Gegensprechanlagen sorgen für Distanz, die nur kurzfristig aufgegeben wird, um dem Antragsteller nach langer Wartezeit mitzuteilen, er habe nunmehr zunächst einige Formblätter auszufüllen. Nach dem wahrheitsgemäßen Beantworten der Frage ob, und wenn ja, wann der Antragsteller geboren sei und auf welchem Wege er seiner Papiere verlustig ging, reiht sich dieser erneut ein und kann sich trotz alledem freuen, Deutscher zu sein.

Denn Ausländer, die den Wunsch hegen, nicht nur das Konsulat, sondern auch noch die Bundesrepublik kennenzulernen, drängen sich vor dem Visaschalter, um,dort staunend zu erfahren, daß es rosa Formulare nur an der Kasse gibt. In der Kassenschlange aber prallen die aufeinander, die solche Formulare wünschen und jene künftigen Gäste unserer Republik, die ihre Gebühr entrichten, nachdem sie die rosa Zettel ausgefüllt und zunächst wieder am ersten Schalter gewartet hatten, wo ihnen die Gegensprechanlage zuschnarrte, daß nach dem Abstempeln des Formulars an der Kasse gezahlt werden müsse und sie zu diesem Schalter zurückkehren mögen... JR