Umweltschützer verhindern, daß genetisch-manipulierte Bakterien freigelassen werden

Von Reiner Klingholz

Wenn sich dieser Tage die ersten Nachtfröste über den Kartoffelacker der landwirtschaftlichen Versuchsstation von Tule Lake im Norden Kaliforniens legen, werden die Pflanzen anderentags ganz kümmerlich ihre Blätter hängen lassen. Der Biologe Steven Lindow allerdings ist überzeugt, das verhindern zu können. Mit seiner Hilfe sollen die Kartoffelpflanzen sehr wohl die eisige Nacht überstehen – und den nächsten Tag erleben.

Lindow hat, gemeinsam mit seinem Kollegen Nickolas Panopoulos, in den Labors der University of California in Berkeley bestimmte Bakterien genetisch manipuliert. Mit diesen ist es den beiden Pflanzenphysiologen zumindest im Versuchsstadium gelungen, Testpflanzen vor dem Frost zu schützen. Steven Lindow sieht seine Mikroben vor große Aufgaben gestellt: Frostschäden verursachen der US-Landwirtschaft alljährlich Verluste im Wert von etwa 1 Milliarde Dollar.

Zu Beginn der kalten Jahreszeit drängt es die Geningenieure mit Macht an die frische Luft: Draußen auf dem Feld sollen die Retortenzöglinge zeigen, was sie im Labor schon beweisen konnten. Die Freiland-Versuche waren längst von der obersten amerikanischen Gesundheitsbehörde abgesegnet, da fühlten sich Umweltschutzverbände auf die Barrikaden getrieben.

In letzter Minute, so scheint es, konnten die Ökologen eine Weltpremiere verhindern: Die Versuche wurden vorerst abgesagt, und damit ist es nach wie vor keinem Wissenschaftler erlaubt, Organismen mit genetisch manipuliertem Erbgut aus dem Labor in die Umwelt zu entlassen.

Schuld daran, daß viele empfindliche Pflanzen in eisigen Nächten eingehen, sind nicht einfach nur Temperaturen von unter null Grad Celsius. Voraussetzung ist vielmehr, daß die Luftfeuchtigkeit, die sich auf den Blättern niederschlägt, auch tatsächlich zu Eis gefriert. Dazu sind sogenannte Kristallisationskeime notwendig. An ihnen bildet sich ein erster Urkristall, der dann zu einem größeren Eisstückchen anwächst. Dieser, wenn auch dünne Eispanzer, vermag die Pflanzenzellen zu sprengen und das Gewächs soweit zu schädigen, daß es an den Folgen eingeht. Fehlen derartige Keime, kann sich die Temperatur um die Pflanze herum bis zu neun Grad unter den eigentlichen Gefrierpunkt abkühlen, ohne daß die Feuchtigkeit auf dem Blatt zu Eis erstarrt.