Kurios

„Der Außenseiter“ von Jacques Deray, der seine Geschichten stets routiniert erzählt. Autorenfilme interessieren ihn nicht; er bevorzugt das Triviale, das Gängige, die Unterhaltung. Er variiert Motive, Figuren, Situationen, die zuvor schon in unzähligen Filmen variiert wurden. Deray ist ein Profi: Er weiß, worum es in seinem Film geht, wenn Jean-Paul Belmondo die Hauptrolle spielt – um Belmondo. Also inszeniert er alles, was geschieht, auf Belmondo zu. Der darf sich über die Kühlerhaube eines vorbeirasenden Autos rollen. Er darf vom Hubschrauber auf ein Boot springen. Er darf ein Restaurant kurz und klein schlagen. Und er darf die genretypische Verfolgungsjagd mit einem kugelsicheren Auto bestehen. Als harter Bulle setzt er in der Welt, wo Polizei, Politik und Wirtschaft überwiegend korrumpiert sind, seine eigene Ordnung durch: Nur gegen die Kugeln aus seiner Pistole vermag der allmächtige Wirtschafts- und Gangsterboß am Ende sich nicht zu wehren. „Der“ Außenseiter“ ist ein Belmondo-Film (Kamera: Xaver Schwarzenberger; Musik: Ennio Morricone), wie ihm sicherlich noch einige folgen werden. Die Geschichte hat viele Risse. Es gibt kuriose Schnitte, die zusammenbringen, was weder räumlich noch zeitlich zusammengehört. Aber die Effekte stimmen: Die sind deutlich ausgestellt. Norbert Grob

Geklaut

„Kral“ von Peter Yates ist der Name eines Planeten, der terrorisiert wird von der „Schwarzen Festung“ (ein architektonisches Wunder aus Hyatt-Hotel, Rokoko-Iglu und Stalaktiten-Höhle), die überraschend wie Netzer aus der Tiefe des Raums gekommen ist. Dirigiert wird sie vom „unbeschreiblichen Ungeheuer“ (als „Alien“-Monster allerdings ganz einfach zu beschreiben), das von seinen „Slayers“ eine schöne Prinzessin bei der Trauungszeremonie aus den Armen ihres Prinzen reißen und entführen läßt. Bei seiner Rettungsreise benutzt der Prinz als Zauberwaffe das Schwert aus „Excalibur“, dem die Macht von „Star Ware“ verliehen wurde, so daß es nun als rotierender Kung-Fu-Fünfklin gen-Bumerang funktioniert. Unterstützt wird er vom weisen Ynyr (da haben sich Obi-Wan-Kenobi und Yoda in einer Figur gefunden), dem Räuber Torquil samt seinen Mannen (versprengt aus Robin Hoods Sherwood Forest) und dem traurigen Latex-Zyklopen Rell, der ab und an mit seinem einen Auge blinkt. Fassungslos? Den Fans von Flicka und Fury sei verraten, daß ihm in höchster Not noch Ackergäule zu Hilfe kommen, die mit Streichholzflämmchen an den Hufen als „Flammenrösser“ durch die Luft jagen – schneller als die Drahtesel in „E. T.“. Auch Freunde von Aphorismen kommen auf ihre Kosten: „Gute Kämpfer sind immer schlechte Ehemänner“ oder „Auch ich war einmal jung ... früher“. Vielleicht ist der Titel dieser Fantasy-Mixtur aus Camelot und Tolkiens „Mittel-Erde“, Errol-Flynn-Akrobatik und Pyrotechnik bewußt ironisch gewählt. Denn mit Thomas Manns Felix hat dieses 26-Millionen-Dollar-Spektakel immerhin eine Gemeinsamkeit: den Hang zur Hochstapelei. Und vielleicht wird man die Unverfrorenheit, mit der Peter Yates („Bullitt“, „Breaking Away“) hier alles zusammenklaubt, was in den letzten Jahren an Ähnlichem zu sehen war, in Zukunft kurz und bündig „Krallen“ nennen: als Bezeichnung für Fantasy-Filme, die beim Collagieren und Konglomerieren gerade noch „phantasievoll“ genug sind, um Plagiatsklagen zu vermeiden.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Die flambierte Frau“ von Robert Van Ackeren. „Zelig“ von Woody Allen. „In Sachen King of Prussia“ von Emile de Antonio. „Fanny und Alexander“ von Ingmar Bergman. „Angel, der Rächer“ von Neil Gordon. „Monthy Python’s Der Sinn des Lebens“ von Terry Jones. „Die Macht der Gefühle“ von Alexander Kluge. „Sans Soleil“ von Chris Marker. „Pauline am Strand“ von Eric Rohmer. „Carmen“ und „Zärtliche Stunden“ von Carlos Saura. „New York City Girl“ von Susan Seidelman. „System ohne Schatten“ von Rudolf Thome (siehe Seite 56).