Von Werner Piefer

In der Abenddämmerung erreichen wir das Antoniuskloster. Mit seinen mächtigen, zwölf Meter hohen Mauern, die früher nur mit Hilfe von Korb und Seilzug zu überwinden waren, ist es das älteste noch erhaltene christliche Kloster Ägyptens. Etwa dreißig koptische Mönche leben hier abgeschieden in der Arabischen Wüste unweit der Küste des Roten Meeres.

Die koptische Kirche, – von dem Evangelisten Markus gegründet - gilt als die älteste institutionalisierte Kirche der Christenheit. Im Zeichen des aufkommenden Christentums zog es eine Unzahl von ägyptischen Bauernsöhnen in die Wüste, wo sie nach der neuen Glaubenslehre in strenger Askese ein gottgeweihtes Leben führten. So auch die beiden betuchten Fellachensöhne Antonius und Paulus.

Antonius – Urvater der Mönche – verschenkte schon in jungen Jahren sein reiches Erbe und folgte hingebungsvoll dem Ruf in die Einsamkeit. Ernen ähnlichen Lebensweg beschritt. Paulus – der erste Eremit. Er nistete sich ebenso wie Antonius, von christlicher Hingabe getrieben, in einer Grotte inmitten der Bergwelt am Roten Meer ein. Von Löwen bewacht und von Raben mit Brot gespeist, soll er das biblische Alter von über hundert Jahren erreicht haben.

Angelockt von den Heilserwartungen der Askese und dem Ruhm der beiden Wüstenväter wurde die Wüste Heimat Tausender von Einsiedlern. Sie hausten in Höhlen und Felsspalten und sicherten ihren kargen Lebensunterhalt durch Körbeflechten und Seildrehen. Im Gedenken an ihre großen Lehrmeister errichteten sie zwei Klöster, das Antonius- und das Pauluskloster.

Wir wollen auf dem Weg des Heiligen Antonius zum Pauluskloster wandern, wo Antonius seinem Glaubensbruder auf dem Sterbebett die letzte Ehre erwies. Vom Antoniuskloster aus soll uns der Weg über die unwirtlichen Höhen des Galala-Plateaus zum etwa fünfzig Kilometer entfernt gelegenen Pauluskloster führen.

Ein freundlicher Mönch in schwarzer Kutte öffnet uns am Antoniuskloster nach mehrmaligem Läuten die schwere Holztür. Obwohl zu so später Stunde – die Sonne ist bereits untergegangen, und eine empfindliche Kälte deutet auf die herannahende Nacht – eigentlich keine Besucher mehr empfangen werden, laden uns die Mönche zu einem Rundgang im Kloster ein. Wir sehen die zahlreichen Fresken in der Titualkirche und die Grabstätte des Hl. Markus. Der Besuch endet an der klostereigenen Quelle, die die Mönche mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgt. Im Besucherraum erwarten uns frisches, selbstgebackenes Brot, Ziegenkäse und das nahrhafte Bohnengericht „fool“, das in Ägypten arm und reich sättigt.