Eisbombe à la Fudschijama wurde serviert, als der Bundeskanzler bei dem japanischen Kaiser Hirohito zu Mittag aß. Auch ein anderes Ritual deutscher Japan-Reisender hat Helmut Köhl pflichtschuldig absolviert: Er hat seine Gastgeber wieder einmal gemahnt, Japan solle sich doch bei seinen Exporten nach Europa etwas zurückhalten und umgekehrt die eigenen Grenzen für europäische Waren weiter öffnen.

Aber das Wichtige am Besuch des Kanzlers lag im politischen Gespräch – in den Beratungen über Ost-West-Beziehungen, das Verhältnis zu Amerika nach der Grenada-Invasion und über die Mittelstreckenraketen. Nur wer Japan politisch ernst nimmt und das Land nicht allein als Produktionsstätte für Video-Maschinen und Roboter mißversteht, kann von Tokio politische Rücksicht auf die wirtschaftlichen Sorgen der Europäer und weltpolitische Mitverantwortung für die gemeinsamen Probleme verlangen.

Allzulange hat das europäische Klischee von der Japan GmbH uns dazu verführt, die politischen Beziehungen auf Handelsprobleme zu reduzieren und damit beides zu belasten. Aber in Zukunft werden die Europäer Japan auch als politischen Partner brauchen. Allein wenn es gelingt, den Interessen und Konzepten der nicht-amerikanischen Länder in der gemeinsamen Politik des Westens stärkeres Gewicht zu geben, wird das Bündnis zwischen Europa, Japan und Amerika auf Dauer Bestand haben. Dazu bedarf es der politischen Koordination unter Partnern, die einander auch politisch respektieren.

Solchen Respekt hat der Bundeskanzler Japan erwiesen. Ihm wird zu Hause gern vorgeworfen, daß er die Details zu sehr den Fachleuten überlasse. In Tokio hat er vielleicht gerade deshalb den richtigen Ton gefunden. -cb-