Für Mikrocomputer gibt es keinen Urlaub. In immer mehr Ferienzentren werden sogenannte Computerstudios oder -camps

Die Idee kommt aus den USA. Dort tüfteln beispielsweise ganze Familien während ihres Urlaubs in der „Lawrence Hall of Science“, einer Einrichtung der „University of California“, im Mikrocomputer-Camp. Sie spielen und lernen mit der Elektronik, üben Bedienungskniffe und lassen sich in die Geheimnisse des Programmierens einweihen.

Vor drei Jahren eröffnete der Club Méditerranée zur Bereicherung seines Animationsangebotes im „Dorf“ Kamarina auf Sizilien sein erstes Computerstudio. Ein Versuch, der zumindest bei den Club-Gästen großen Anklang fand. Denn in diesem Winter stehen bereits in elf und im kommenden Sommer in mindestens 15 „Dörfern“ Mikrocomputer. Dabei plant der Club im Sommer dann auch eine inhaltliche Erweiterung seines Angebots. In einigen Ferienzentren sollen neben der lockeren Beschäftigung mit EDV in Zusammenarbeit mit einer namhaften Herstellerfirma zusätzlich intensive Datenverarbeitungskurse stattfinden. Beim Club sind Unterhaltung und Unterricht im Computerstudio im Reisepreis eingeschlossen.

Runde 500 Mark kostete in diesem Sommer die Teilnahme an einem Computer-Camp im Sporthotel „Sauerland Stern“. Diese fünftägigen Lehrgänge für junge Leute zwischen zehn und 20 Jahren finden auch, im nächsten Jahr wieder statt. Hinzu kommen Kurse für Erwachsene. Die Teilnehmer sollen dabei die wichtigsten Anwendungstechniken im Mikrocomputerbereich, sowie Grundlagen der Programmiersprache Basic kennenlernen. Die Bundesbahndirektion Saarbrücken bietet im nächsten Frühjahr und Herbst im Ostsee-Ferienzentrum Holm sechstägige Computerlehrgänge für Schülergruppen an. Diese Kurse kosten je nach Anreiseort um 300 Mark. Parallel dazu wird ebenfalls in Holm eine „Gesellschaft Deutscher Organisatoren e. V.“ sehr intensive Einführungskurse mit etwa 40 Unterrichtsstunden in einer Woche durchführen. Sie kosten allerdings ohne Anreise und Unterkunft etwa 650 Mark.

Das „Europäische Schulungszentrum“ in Bad Neustadt und die angeschlossene „Gesellschaft für Industrieschulung und Entwicklung“ planen im kommenden Jahr Computerkurse im eigenen Ferienhotel in der Rhön. Diese vorwiegend für Schüler gedachten dreiwöchigen Kurse mit je 20 Unterrichtsstunden pro Woche kosten alles in allem rund 1350 Mark.

Der „Powerkids-Computerclub“ aus Kronberg im Taunus mußte die in diesem Sommer in einem bayerischen Nobelhotel geplanten Kurse wieder absagen. Es gab organisatorische Schwierigkeiten. Nun schmiedet der Club der Elektroniker, der nach eigenen Angaben aus den Fehlern gelernt haben will, einen neuen Start für 1984. Geplant sind Camps nach amerikanischem Muster.

„Die Kombination Computerkurs/Urlaub, die in den USA längst ihren Markt hat, muß sich bei uns erst noch entwickeln“, sagt Peter Bisa vom Hersteller Honeywell Bull. Seiner Meinung nach sind die bisherigen Angebote vorwiegend für Anfänger geeignet. Oder für Praktiker, die am Mikrocomputer lediglich mit fertigen Programmen arbeiten wollen. „Was fehlt, sagt Bisa, „sind Angebote für Fortgeschrittene, für diejenigen, die in die wirkliche Kunst der Programmiersprachen einsteigen möchten.“ Insgesamt prophezeit Bisa den Feriencomputerkursen eine große Zukunft: „Sie könnten in der Touristik einmal die gleiche Bedeutung erlangen, die heute schon Sprachreisen haben.“ Willi Bremkes