Argentinien hat einen Mythos verabschiedet. In den ersten Wahlen seit zehn Jahren errangen die Radikalen unter ihrem Präsidentschafts-Kandidaten Raul Alfonsin am Sonntag eine unerwartete absolute Mehrheit. Die Peronisten, seit fast vierzig Jahren die größte Kraft, verloren überraschend deutlich; die Mehrheit votierte dafür, die tiefe Wirtschafts- und Institutionskrise mit demokratischem Selbstvertrauen zu meistern. Peróns Rezepte, so alt wie untauglich, haben sich endgültig überlebt, ein zu lange der Vergangenheit zugewandtes Volk hat sich für die Zukunft entschieden.

Verloren hat auch das Militär. Über Jahrzehnte nahm es sich das Recht zur Intervention heraus; nun werden ein Präsident und eine Partei regieren, die fest versprochen haben, dem Primat des Parlaments Geltung zu verschaffen – gegenüber machtlüsternen Soldaten, unverantwortlichen Gewerkschaften und gewalttätigen Minderheiten. Die demokratische Ordnung hat eine Chance erhalten.

Sie zu nutzen wird Alfonsin nicht leichtfallen. Unbeschadet aller Wahlversprechen muß er den Argentiniern böse Opfer aufbürden, um die von Peronisten und Militärs verschuldete Krise zu bewältigen. Das Mandat dazu hat er bekommen, den Mut dafür muß er jetzt beweisen. H. B.