Niemand hat den Verdacht geäußert, daß unsere Kultusminister an der Spitze des pädagogischen Fortschritts marschierten. Aber daß sie so wenig souverän mit den schulischen Friedensdemonstranten umgehen, überrascht doch. Alle elf Kultusminister hatten vor den Friedensdemonstrationen verkündet, schulfrei gebe es nicht; Unterricht dürfe nicht ausfallen.

Nun gibt es auch eine ganze Reihe von Bestimmungen, die – präzise ausgelegt – eine solche Position formal absichern. Freilich mußten die Kultusminister sehr flexibel argumentieren: Sie hatten nämlich die gleichen gesetzlichen Bestimmungen bemüht, um Schülern beim Papstbesuch, bei wichtigen Fußballspielen oder gar bei Nato-Manövern (weil Schulgebäude als Nachtlager benötigt wurden) schulfrei zu geben.

Von Engherzigkeit zeugt aber, wenn drei Kultus-Amtschefs jetzt auch wirklich darangehen, die Verfolgung der Übeltäter aufzunehmen. Die Lage ist wieder einmal – dem Kulturföderalismus sei Dank – uneinheitlich: Die Kultusministerien in Schleswig-Holstein (CDU), Rheinland-Pfalz (CDU), und Hessen (SPD) halten sich zurück; ihnen sind „die Fälle nicht zu Ohren gekommen“, oder die Schulen sind angewiesen, auf eigene Faust zu handeln. In Berlin, Baden-Württemberg und Bayern wird ermittelt. Für die Berliner Bildungssenatorin Hanna-Renate Laurin (CDU) ist die Sachlage klar: „Es kann nicht folgenlos bleiben, wenn man seinen Dienst unterbricht und zum Meinungsstreit aufruft. Es kann auch nicht folgenlos bleiben, wenn Lehrer sogar Grundschüler aufgefordert haben, mit ihnen Menschenketten zu bilden.“

Großherzigkeit und pädagogische Gelassenheit? Fehlanzeige. Es werden einfach – unzweifelhaft vorhandene – Bestimmungen exekutiert, ohne Rücksicht auf die Wirkung bei den Betroffenen. In diesem Sinne ist auch für einen Schüler ein Eintrag ins Klassenbuch wegen unentschuldigten Fernbleibens vom Unterricht ein Signal, eine Bestrafung.

Die Deutsche Journalistenschule (DJS) in München hat ihren Jubiläums-Jahrgang ausgeschrieben: Im 25. Jahr des Bestehens der Schule sollen dort von Herbst 1984 an wieder 45 Teilnehmer zu Redakteuren ausgebildet werden.

Neben der 14monatiger ganztägigen Berufsausbildung (15 Teilnehmer) bietet die Journalistenschule in Zusammenarbeit mit der Universität München auch eine Kombination Schule-Diplomstudium Journalistik (30 Teilnehmer) an. Wer sich für einen der beiden Ausbildungswege interessiert, sollte höchstens 28 Jahre alt sein, Abitur haben, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und ständig in der Bundesrepublik oder in West-Berlin wohnen. Kinder von Gastarbeitern sind ebenfalls zugelassen. Die Ausbildung ist kostenlos, aber jeder Bewerber muß eine Aufnahmeprüfung machen. Vorerst genügt eine formlose kurze Bewerbung (mit Rückporto 1,30 Mark und einem Kuvert in DIN-A5-Format), die an das Sekretariat der Deutschen Journalistenschule, Altheimer Eck 3, 8000 München 2, geschickt werden soll. Letzter Termin: 10. Dezember 1983. Peter Pedell