Pieter Willem Botha will die Herrschaft der Apartheid durch vorsichtige Konzessionen sichern / Von Allister Sparks

Johannesburg, im November

Ein Falke, ein jähzorniger Politiker von 67 Jahren, dessen Wahl zum südafrikanischen Ministerpräsidenten vor fünf Jahren vielen Liberalen Schauerwetter auf dem Rücken verursachte, ist zum glänzendsten Sieger einer Wahl oder eines Referendums in der Geschichte seines Landes geworden. Die 2,7 Millionen weißen Wähler stimmten mit einer überwältigenden Mehrheit von 66 Prozent dem Verfassungsentwurf des Pieter Willem Botha zu. Unter der Botha-Verfassung erhalten die Minderheiten der „Farbigen“ – Menschen mit schwarzen und weißen Vorfahren – und der Inder nominelle politische Rechte, im Gegensatz zur schwarzen Bevölkerungsmehrheit.

Gegen die neue Verfassung stellten sich einmal weiße Liberale, die in dieser Reform nur Wortgeklingel zu entdecken vermochten, zum anderen aber auch rechte Dissidenten aus dem Lager der burischen Nationalpartei des Ministerpräsidenten, die in den Neuerungen den ersten Schritt ins Verderben ausmachten. Botha fiel aber nicht zwischen diese beiden Stühle, wie manche vermuteten, sondern zog aus beiden Lagern so viele Stimmen ab, daß er jetzt eine beherrschende Position in der Mitte des weißen politischen Spektrums einnimmt. Breitbeinig und sicher steht er nach dem siegreichen Plebiszit über der traditionellen Kluft zwischen Anglophonen und Buren wie kein Ministerpräsident seit dem General Smuts im Zweiten Weltkrieg. Wenn die neue Verfassung in Kraft tritt – das wird noch ungefähr ein Jahr dauern wird aus dem anfangs so mißtrauisch betrachteten Premier ein Staatsoberhaupt mit dem Machtpotential eines autorisierten Herrschers.

Das Mißtrauen gegen Botha ist ungeachtet seines Erfolges bei den Stimmbürgern nicht gewichen. Der britische Politiker ist ein glühender Militarist geblieben. Er wirkt aggressiv und autoritär. Seine Zuhörer sucht er mit drohendem Zeigefinger einzuschüchtern wie ein böser Schulmeister. Ablehnung oder Widerspruch provoziert ihn zu donnernden Ausbrüchen.

Gerade dieser Mann hat sich aber auf die zumindest formale Reform der Südafrikanischen Republik verpflichtet und die entsprechende Rhetorik übernommen – unter dem Motto „Wir müssen uns anpassen oder sterben“. Große Scharen weißer Südafrikaner sind darum zu seinen Anhängern geworden: Sie wollen eine Reform, Scharen sich aber vor der Herrschaft der schwarzen Mehrheit, und Botha scheint die Zauberformel für politischen Wandel und gleichzeitige Sicherung der weißen Vorherrschaft gefunden zu haben.

Aggressiv und erfahren