Von Jürgen Woldt

Das Szenario war 1981 bereits festgelegt, und geübt wurde die Invasion Grenadas – auch schon im Herbst vor zwei Jahren: Damals trainierte die „Caribbean Task Force“ der USA bei ihrem Manöver „Ocean Venture“ unweit Puerto Ricos die Besetzung des fiktiven Inselstaates „Amber and the Amberdines“, eines – so die Manöverbeschreibung – „Feindes im ostkaribischen Meer“. Ziel der Aktion: „Die Installierung einer Regierung, die unserem ‚way of life‘ zuneigt“ – im Unterschied zu der vorherigen, „feindseligen“ des Staates „Amber“.

Kein Zweifel, daß mit „Amber und den Amberdines“ Grenada und diejenigen Grenadines-Inseln gemeint waren, in denen der Rechtsanwalt Maurice Bishop 1979 Blockfreiheit und Sozialismus ausgerufen hatte. Der mystikgläubige Diktator Eric Gairy, von Bishop durch einen Staatsstreich abgesetzt, der zwei Todesopfer forderte, weilte damals gerade in New York, um über sein Lieblingsthema, die Existenz außerirdischer Lebewesen, zu diskutieren.

Die irdischen Bürger Grenadas haben bis zur Ermordung Bishops und der folgenden US-Invasion vier Jahre lang in einem System gelebt, das Ronald Reagan jetzt als „Netzwerk von Stellvertretern Moskaus und von Terroristen“ bezeichnete.

Wer sich wie ich monatelang in dieser karibischen Region als Journalist umgesehen hat, der kann den offiziellen amerikanischen Feindbildern und -beschreibungen, die die Invasion rechtfertigend begleiteten, allenfalls einen Wirklichkeitsgehalt zugestehen, der denen von James-Bond-Filmen ziemlich nahekommt. Es reicht eine der ersten militärischen PR-Botschaften, um Skepsis am Wahrheitsgehalt anderer zu wecken. Angeblich hätten 300 Soldaten karibischer Nachbarstaaten, unter anderem aus St. Vincent, St. Lucia und Dominica, die US-Truppen bei der Besetzung Grenadas unterstützt. Weder St. Vincent oder St. Lucia noch Dominica aber haben eine Armee, es gibt in diesen Staaten keine Soldaten.