Schürzt sich im Nahen Osten ein neuer Krisenknoten? So vielversprechend auch die Genfer Libanon-Konferenz begonnen hat – im Lande treiben die Dinge abermals auf eine Tragödie zu. Ein Kamikaze-Angriff jagte das israelische Hauptquartier in Tyros in die Luft; die Israelis antworteten mit massiven Vergeltungsangriffen; Dem PLO-Führer Jassir Arafat bereiteten im nordlibanesischen Städtchen Tripoli abtrünnige Palästinenser, unterstützt von Syrien, eine Art von arabischem Stalingrad; die Fraktion der Gemäßigten hat kaum noch eine Überlebenschance. Die Amerikaner zogen vor der Küste eine eindrucksvolle Streitmacht zusammen, während die Syrer mobilmachten – Vorspiel zum direkten Zusammenstoß?

Immer deutlicher wird sichtbar: Israels Einfall in den Libanon im Sommer 1982 hat nur negative Folgen. Um so merkwürdiger, daß Washington jene Bemühungen um einen „strategischen Konsens“ zwischen den Vereinigten Staaten und Israel wieder aufnehmen will, die vor einem Jahr still versandeten. Jetzt aber ist es Israel, das sich der Zumutung widersetzt, Reagans orientalischen Degen zu spielen. Mehr und mehr muß Amerika sich selbst in die Wirren des Libanon verstricken.

Das ist auch eine Konsequenz der Tatsache, daß die Amerikaner strikt über ihr diplomatisches Gestaltungsmonopol in diesem Räume wachen und die Sowjetunion bewußt abseits halten. Die Schwierigkeit ist nur, daß die Probleme des Vorderen Orients selbst über die Gestaltungskraft der westlichen Vormacht gehen. Th. S.