Lexika zu kritisieren, ist ganz einfach. Es gibt keines, in dem Stichworte nicht vermißt, Namen nicht gnadenlos übergangen, schamlos unter- oder hemmungslos überbewertet, die eigenen Vorlieben nicht übergangen wären. Hohe Zeit für Bilder- und Zeilenzänler! Also ist es nicht schwer, dergleichen auch in einem der wichtigsten und hilfreichsten Bücher dieser Art zu finden, das ein nun wirklich veraltetes ersetzt, das –

„Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“ – ein Führer in drei Bänden von Friedrich Achleitner; Residenz Verlag, Salzburg, 1983; 512 S., 1453 Abb., 69,– DM.

Man kann gleich anfangen: Max Bill kommt zu kurz weg, Endeil ist sehr originell illustriert, Amerika völlig überbewertet, der Artikel über I. M. Pei hat (wie etliche andere) keinen Verfasser, Coop-Himmelblau ist eine in dieser Versammlung überflüssige Arabeske, dem wichtigsten deutschen Brückenbauer Leonhardt gehört keines der 337 Stichwörter – und so weiter.

Man begegnet auch einer bei allen zu konzentrierter Mitteilung genötigten Schreibern der Gefahr zu Sätzen, die sich unter der Informationslast winden und ballen – so etwas zu redigieren, sind eigentlich Lektoren berufen (sofern es sie gibt). Über alles muß man hinwegsehen, um die unbezweifelbare Qualität dieser Sammlung von Namen und Begriffen zu erkennen. Die Auswahl ist manchmal kühn, aber gescheit, immer begründet, die Illustrierung ist gut. Man erfährt, was man zur schnellen, kurzen Information braucht und bekommt überraschend viele Hinweise auf Quellen, die reicher fließen, und das heißt: Das Lexikon ist gebrauchstüchtig, es erfüllt seine Aufgabe nüchtern und intelligent.

Kein Lexikon, sondern eine Anthologie und deshalb denselben Anfechtungen ausgesetzt, ist das Buch von –

Helge und Margret Böfingen „Junge Architekten in Europa“; Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1983; 192 S., 1197 Abb., 54,– DM.

Ein in jeder Hinsicht bunter, also kurzweiliger Katalog, der sowohl Architektur-Twens als auch die schon auf die Fünfzig zugehenden (und erfolgreichen) „Jungen“ vereint. Es werden nicht viel Worte gemacht: Jeder Architekt (oder jede Gruppe) wird mit äußerst knappen Daten über Person und Arbeit und mit einem Photo vorgeführt, daneben breitet sich auf ein oder zwei Seiten das Werk aus – am interessantesten da, wo es (bisher) nur ein hervorragendes Bauwerk gibt, am flüchtigsten da, wo schon ein kleines Lebenswerk zu erkennen ist. Man bekommt einen interessanten Überblick. Zwar ist das Vorwort Philipp Johnsons unerheblich; aufschlußreich aber ist, was in kritischen Aufsätzen über die (junge) Architektur der Länder vorgebracht wird.