Zu seinem 80. Geburtstag am 7. November 1983: ein neues Buch von Konrad Lorenz

Von Dieter E. Zimmer

Ein Großer Mann, fast schon eine Sagengestalt aus der Geistesgeschichte dieses Jahrhunderts wird achtzig, und zum Zeichen dafür, daß mit ihm noch zu rechnen ist, hat er zum Geburtstag ein neues Buch geschrieben –

Konrad Lorenz: „Der Abbau des Menschlichen“; R. Piper & Co Verlag, München, 1983; 294 S., 36,– DM.

Lorenz, man weiß es, hat mit seinen bahnbrechenden Arbeiten über die angeborenen Auslösemechanismen, über den Vorgang der Prägung und viele andere, nicht nur wichtige Beiträge zur Verhaltensforschung geliefert; er hat diese seitdem immer wichtiger, immer zentraler gewordene Wissenschaft überhaupt erst miterfunden und auf den Weg gebracht: das Studium tierischen Verhaltens, seines stammesgeschichtlichen Werdegangs, seiner physiologischen Mechanismen. Er hat – vielleicht nicht als erster und sicher nicht als einziger, aber doch ganz und gar originell und als ihr eloquentester Formulierer – die entscheidenden Gedanken der evolutionären Erkenntnistheorie gedacht.

Er ist seit langem darüber hinaus eine Autoritätsfigur für die Allgemeinheit, die von all dem nichts oder wenig weiß – der Alte aus Altenberg, „der Opa mit den Graugänsen“, der Weise, der „mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen“ zu reden versteht (und jedenfalls auf faszinierende Art von ihnen), der weißbärtige moralisch-politische Warnprediger.

Als solcher tritt er in dem neuen Buch wieder vor seine Leserschaft. Er prophezeit der Menschheit, was inzwischen die Spatzen von den Dächern pfeifen: den Selbstmord durch Kernwaffen, durch Umweltvergiftung und -vernichtung und eben durch den „Abbau des Menschlichen“ – es sei denn, sie kehre wieder um und wehre dem Übel, das Lorenz diagnostiziert wie ein Arzt eine Krankheit.