Einer intellektuellen Ölspur vergleichbar berührt die „Kritik der zynischen Vernunft“ alle überhaupt nur denkbaren Themen – Krieg, Religion, Kapitalismus, Pornographie, Faschismus – wie dünn auch immer. Endlos modisch trägt das Buch seine banale Sicht der menschlichen Situation in einem Ton unerschütterlicher Keckheit vor. Es ist, als ob, in irgendeinem Alptraum, der Schreiber der Menschheitsgeschichte zurückgekommen wäre, um „Zen und die Kunst der Motorradpflege“ neu zu schreiben ... sein Erfolg ist wirklich eine düstere Auskunft über die intellektuelle Landschaft der Bundesrepublik.

„The Times Literary Supplement“ über Peter Sloterdijks „Kritik der zynischen Vernunft“

Ernst Hauswedell

Er war ein Hanseat, von gutem Aussehen, immer gepflegt, korrekt gekleidet, aufgeschlossen, aber maßvoll und diszipliniert, Weltmännisch und zugleich von jener Kühle und Distanz, die zu vielem befähigt: auch zu Ironie und taktisch gezügelter Menschenverachtung. Der Verleger, Antiquar und Auktionator in Hamburg (zeitweilig auch in Baden-Baden und Stuttgart), hatte Germanistik, Geschichte und Volkswirtschaft studiert und mit einer Dissertation über Dostojewskij promoviert. Er war ein Freigeist in Grenzbezirken des Pragmatismus. Er hat sich noch 1935, als der Antisemitismus in Deutschland schon längst seine Verheerungen anrichtete, für Arthur Schnitzler, Jakob Wassermann, Arnold und Stefan Zweig, Theodor Däubler, Alfred Neumann eingesetzt. 1927 gründete er die Firma Hauswedell, Buch- und Kunstantiquariat, ab 1957 gab er die Zeitschrift „Philobiblon“ heraus, eine Vierteljahresschrift für Buch-und Graphiksammler. Als Auktionator hatte er, als er sich von diesem Teilgebiet zurückzog, 224 Auktionen bewältigt und vor allem nach dem Krieg als erster Deutscher in diesem Metier internationales Ansehen errungen. Hermann Tiemann, Direktor der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek attestierte Ernst Hauswedell, der auch noch einen Verlag gründete, die Fähigkeit „die Dinge des Wissens und der Kunst in den Verkehr zu bringen und... marktgerechte Maßstäbe für sie zu finden“. Auf künstlerischem Gebiet hat Hauswedell, der auch Ausstellungen veranstaltete, sich nicht nur für Expressionisten besonders eingesetzt, sondern auch für die asiatische und afrikanische Kunst. Am 2. November ist Ernst Hauswedell in Hamburg, seinem Geburtsort, 82 Jahre alt, gestorben.

Anthony van Hoboken

Er war für Joseph Havdn, was für Mozart der Ludwig Ritter von Köchel bedeutete. Mit dreiundzwanzig Jahren legte er – Holländer, in Frankfurt ausgebildet – seine erste Sammlung von musikalischen Erstdrucken an, baute in Wien ein Archiv für Photogramme von Musikhandschriften auf, begann dort Mitte der dreißiger Jahre mit einem thematisch-bibliographischen Katalog der Werke Haydns, einer Arbeit, die er in der Schweiz fortsetzen mußte, die 1957 in einem ersten Buch-Band Vollendungsformen annahm und heute zu den wichtigsten Orientierungshilfen zählt. Darüber hinaus sind die Ergebnisse seiner Forschungen in jenen Formaten und kleinen Auflagen zu finden, die der Branche das Epitheton „Orchideenfach“ eintrug – er war ein wissenschaftler aus Neigung zum untersuchten Gegenstand. In der vergangenen Woche starb Anthony van Hoboken im Alter von 97 Jahren.