StaatsexamenZum Kriechen gebracht

Schlechte Noten für junge Juristen

Von Hanno Kühnert

Junges Volk, das Jura studieren und sich dem Recht widmen will, ist wahrhaftig arm dran. Die Deutsche Richterzeitung hat jetzt die Ergebnisse der ersten juristischen Staatsprüfung von 1982 veröffentlicht. Sie belegen, daß Jungjuristen vom Staat stiefväterlich behandelt werden – übrigens hat dies und haben die schlechten Examensergebnisse Tradition. Heute addieren sie sich zu der Summe von Unzuträglichkeiten, die junge Juristen einklemmen.

7714 Kandidaten schritten 1982 zum Examen. 27 Prozent fielen durch. Von den Beneidenswerten, die diese erste Hürde übersprangen, mußten 37 Prozent mit der schlechtesten Note vorliebnehmen: ausreichend. Ein knappes Viertel hatte die zweitschlechteste (viertbeste) Note – befriedigend. Neun Prozent erreichten ein „vollbefriedigend“. Dann kommen die „guten“ Juristen mit dünnen 3,37 Prozent, und an der Spitze dieser flachen Pyramide liegen 0,17 Prozent mit „sehr gut“, das sind gerade 13 Kandidaten.

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Die 2884 Juristen mit der Note ausreichend, also mit einem (nominell) schlechten und (real) durchschnittlichen Examen haben noch ein wenig Hoffnung auf das zweite Staatsexamen zum Volljuristen, das die meisten anstreben. Nur: dort werden die Ergebnisse – auch dies traditionell – kaum besser sein. Die meisten von ihnen werden drei Jahre später mit Blick auf ihre alten Examensakten kaum besser beurteilt

Ärgerlich, vor allem für süddeutsche Rechtsadepten, ist auch das Gefälle der Noten nach Norden: Baden-Württemberg steht mit 33 Prozent der Durchgefallenen und mit 40 Prozent der nur als ausreichend Beurteilten buchstäblich Kopf. Bayern und das Saarland bringen ähnliche Zahlen. In Schleswig-Holstein sind nur halb so viele durchgefallen, allerdings hat dieses Land den Rekord an „ausreichend“ Bewerteten: fast 44 Prozent. Eine Ausnahme macht nur Hamburg: Es scheint so streng zu sein wie die süddeutschen Länder.

Für die noch wachsende Fußlastigkeit juristischer Examina gibt es seit Jahrzehnten die kuriosesten Erklärungsversuche. Die einen sagen: Tradition; die anderen weisen vielsagend darauf hin, daß diese Noten das Machtinstrument der Justizverwaltungen seien, die die Knet-Touren der Universitäten weiterführen und den niedergedrückten, gefügigen Juristen altdeutscher Machart produzierten – mit Schuldgefühlen nach Noten.

  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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