Daten-Handel

Der Bürger fühlt sich vom Unwesen des Adressenhandels meist nur belästigt, wenn sein Briefkasten von Werbeprospekten überquillt. Ob einer Motorradfahrer, Arzt, Rechtsanwalt, Taubenzüchter oder Segelflieger ist – er wird zusammen mit seinen Berufs- oder Hobby-Genossen rücksichtslos dem „Direktmarketing“ unterworfen. Dabei reichern sich die Karteikarten der Händler im Laufe der Zeit wie von selbst an. Sie geben Auskunft über Kauf- und Lesegewohnheiten, Ferienziele und selbst Delikates („Stammkunde bei Beate Uhse“).

Woher bekommen die Anschriften-Verkäufer eigentlich ihre Listen? Nun, seit kurzem wissen wir es: von der Bundespost, genauer: von ihrer Tochterfirma, der „Deutschen Postreklame“. Sie liefert sogar die Adressen von rund 100 000 Berufs- und Zeitsoldaten der Bundeswehr an Weiterverkäufer, gegen Bezahlung, versteht sich. Fünfeinhalb Millionen Mark hat die Post im vergangenen Jahr mit ihrem Adressenhandel verdient.

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Nicht die Soldatenkartei macht den Skandal, sondern die Tatsache, daß hier ein staatlicher Dienstleistungsbetrieb sein Monopol über Fernsprech- und Fernschreibanschlüsse zu Nebengeschäften mißbraucht. Es ist Zeit, der Post die Weitergabe ihrer Kunden-Daten zu untersagen, es sei denn, sie wird im Einzelfall dazu ausdrücklich ermächtigt. H. Sch.

 
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