E. W., Paris im Februar

Die Franzosen sind die einzigen, die noch die Fiktion der Internationalen Friedenstruppe in Beirut aufrechterhalten, und dies in voller Stärke: 1270 Mann. Ihre letzte Funktion ist die Kontrolle des einzigen Übergangs zwischen den beiden feindlichbesetzten Stadtteilen. Er habe mit den Führern aller sich bekämpfenden Gruppen im Libanon Kontakt, hat Staatspräsident Mitterrand kürzlich gerühmt.

Tatsächlich bemüht er sich um eine Koalition zwischen Schiiten und Christen, wozu er den Führer der schiitischen Amal-Organisation, Nabih Bern, nach Paris eingeladen hat. Frankreichs Politik war immer darum bemüht, daß die libanesischen Christen nicht zu einer isolierten Minderheit wurden. Frankreich zögert den Abzug seiner Truppen aber auch hinaus, weil es ein diplomatisches Spiel begonnen hat: Seit Monaten bemüht sich Paris um die sowjetische Zustimmung zur Aufstellung einer UN-Truppe im Libanon. Sie soll das multinationale Kontingent ablösen.

Die Sowjets haben zugesagt, daß sie kein Veto gegen eine UN-Truppe einlegen wollen, unter Bedingungen freilich, die für Washington unannehmbar waren. Moskaus Forderung nach Abzug der amerikanischen Flotte von der libanesischen Küste wurde von Frankreich unterstützt und hat zu Spannungen mit den Vereinigten Staaten geführt.

Das Ziel der französischen Bemühungen um Moskau ist aber weiter gesteckt: Über die Vereinten Nationen sollen die Sowjets wieder aktiv an der Nahost-Diplomatie teilhaben. In Paris heißt es: Sie werden vielleicht verantwortlicher handeln, wenn sie im eigenen Namen und nicht hinter dem Rücken der Syrer operieren. Sonst wird es keine Ruhe im Nahen Osten geben. Ob Frankreich diese Rechnung ohne die Sowjets gemacht hat?