Weil doch sein wird, was nicht sein darf, haben Sozialdemokraten kurzerhand einen Glaubenssatz verworfen, der ihnen lange Zeit lieb und teuer war: Private haben im Runafunkgeschäft nichts zu suchen, weil da der Ton zu sehr auf dem Geschäft läge. Nicht, daß sich an dieser Vermutung etwas geändert hätte. Doch Bundesgeschäftsführer Peter Glotz und die SPD-Medienkommission haben erkannt, daß sich – zwischen den Satelliten am Himmel und dem Kabel in der Erde – die Position des „Balkon-Beobachters“ (Glotz) etwas unglücklich ausnahm. So stürzten sie sich denn waghalsig herab, um die deutsche Medienlandschaft mitzugestalten.

Ihre Gestaltungsvorschläge zum Nebeneinander von privaten und öffentlich-rechtlichen Programmanbietern sind so übel nicht für eine Politik der späten ersten Stunde. Selbst wo sie des Postministers Kabelpläne verwerfen und dem liberalen und für die Wirtschaft interessanteren Konzept des (auch ohne Kabelanschluß) direkt empfangbaren Satellitenfernsehens das Wort reden, sind die SPD-Medienpolitiker für manche Unionspolitiker zu attraktiven Gesprächspartnern geworden.

Ob sie es bleiben? Oder schicken die eigenen – nicht so waghalsigen – Genossen sie – weil nicht sein darf, was längst geschieht – zurück auf den Balkon? rf