Fischzucht

Alles verkehrt sich in sein Gegenteil“, behauptet Willie Muir, Vorstandsmitglied des schottischen Lachsfischerverbandes. In den sechziger Jahren hatte er versucht, den Weg für die Entwicklung von Lachszuchten in Schottland zu ebnen. Heute kennt man ihn als den profiliertesten Gegner der künstlich gezogenen Salme in Großbritannien. Was bewirkte diesen Sinneswandel?

„In den letzten Jahren ließen immer mehr Leute die Büchsennahrung im Laden stehen und kauften lieber naturgesunde Lebensmittel ein – wie Fisch. Doch auf einer Büchse, da steht drauf, was drin ist. Aber was die Lachszüchter so alles in ihre Produkte reinstopfen, davon hat man keine Ahnung!“

Tatsächlich gehört neben hormonaler Behandlung auch die Einfärbung des Fischfleisches mit synthetischem Canthaxanthin zur üblichen Verfahrensweise der norwegischen und schottischen „salmon farmer“. Sie mengen diesen Farbstoff dem Lachsfutter bei.

Die Europäische Kommission hat sich nach langem Hin und Her dieses Problems jetzt angenommen. Sie hält, wie das Kommissionsmitglied Poul Dalsager mitteilte, die „Forderung nach einer Kennzeichnung, die den Verbraucher über in Futtermitteln verwendete färbende Substanzen unterrichtet, für voll gerechtfertigt“. Bis November 1985 sollen bindende Richtlinien hierfür ausgearbeitet werden.

Bis dahin aber herrscht Anarchie auf den europäischen Lachsmärkten. Denn die Kommisson hat als Interimslösung zwar den Mitgliedsländern die Verwendung von Canthaxanthin auf nationaler Ebene freigestellt. Doch die bundesdeutsche Lebensmittelverordnung untersagt es nach wie vor, so behandelten Fiscn in Deutschland als Lebensmittel in den Verkehr zu bringen.

Wenn auch eine gesundheitsschädigende Wirkung des vom Chemiekonzern Hoffmann-La Roche vertriebenen Buntmachers nicht erwiesen ist, so verfolgt seine Verwendung doch nur den einen Zweck: Den Verbraucher irrezuführen. Denn während sich Wildlachs gerade wegen seiner rosa Färbung Weltgeltung erworben hat, produziert das von den Züchtern verwendete Fertigfutter nur jenes gräulich-weiße Fleisch, welches man von anderen Zuchtfischen her gewohnt ist. Durch die synthetische Tönung aber partizipieren die Kunstsalme, ein an sich minderwertigeres Erzeugnis, an dem hohen Preisniveau des begehrten Qualitätsprodukts. Auch die amerikanischen Lebensmittelgesetze untersagen genau aus diesem Grund eine derartig wettbewerbsverzerrende Schönfärberei.